Ausgabe Juli 2003

Perspektivloses Zappeln

Oder: Politik mit der Agenda 2010

Die von Bundeskanzler Gerhard Schröder am 14. März 2003 vorgestellte Agenda 2010 (vgl. die Dokumentation im Maiheft der "Blätter") verabschiedete der SPD-Parteitag am 1. Juni mit großer Mehrheit, ungeachtet massiver Kritik innerhalb der Partei und von Seiten der Gewerkschaften. Schröder hatte den Genossen wiederholt mit seinem Rücktritt und dem Scheitern der rot-grünen Koalition gedroht. Ebenso stimmten Bündnis 90/Die Grünen auf einer Sonder-Bundesdelegiertenkonferenz der "Reformagenda" zu. Die Kritik reißt ungeachtet dessen nicht ab: So wird Sozialdemokraten und Grünen vorgeworfen, eine unsoziale Politik zu verfolgen, die Ausgrenzung und soziale Ungleichheit zum Prinzip erhebt und ausschließlich auf Kosten der sozial Schwachen versucht, der wirtschaftlichen Krise Herr zu werden. Grundsätzliche Fragen nach der Wirksamkeit und dem politischem Sinn der beschäftigungs- und sozialpolitischen Vorhaben bleiben virulent, auch für den anstehenden Gesetzgebungsprozess (vgl. auch Georg Vobruba in den Juni-"Blättern" 2003). Claus Offe geht diesen Fragen im folgendem Beitrag nach, der auf einer Rede vor dem bündnisgrünen Zukunftskongress "Sozial ist nicht egal" am 24. Mai dieses Jahres in Düsseldorf basiert. - D. Red.

Sie haben etwa 4% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 96% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Flucht vor der Verantwortung: Lieferkettengesetze am Ende?

von Merle Groneweg

Der 11. September erinnert nicht nur an den Einsturz des World Trade Centers in New York, sondern auch an eine der schwersten Katastrophen in der Textilindustrie: den Brand in der Fabrik Ali Enterprises in Karatschi, Pakistan.

Ohne EU-Mindestlohn kein soziales Europa

von Roland Erne

Nach Jahren antisozialer Politik infolge der Finanzkrise von 2008 standen soziale Fragen in der vergangenen Legislatur der EU wieder weiter oben auf der Agenda. Zwischen 2022 und 2024 verabschiedeten das EU-Parlament und der Rat seit langem wieder mehrere soziale EU-Gesetze, darunter die Richtlinie über „angemessene Mindestlöhne in der Europäischen Union“.