Ausgabe Juni 2004

In Vielfalt geeint?

Europäische Identität in der Zwickmühle

Das vor dem Hintergrund des Irakkriegs zu Tage getretene Zerwürfnis zwischen dem "alten Europa" und den USA hat der Frage nach der politischen Identität der Europäischen Union (EU) auf unerwartet vehemente Weise neue Aktualität verliehen. In der Tat löste die Invasion des Irak durch die von den USA angeführte Allianz in nahezu allen Mitgliedstaaten der EU eine Welle intensiver Diskussionen und oft massiv vorgetragener Proteste aus. Beobachter wie Jacques Derrida und Jürgen Habermas sahen in diesen Mobilisierungen nicht weniger als ein "Signal für die Geburt einer europäischen Öffentlichkeit" 1. Im Nachhinein mag eine solche Deutung als von übermäßiger Emphase getragen anmuten, in der Betonung des Moments der Öffentlichkeit für die Konstitution einer gemeinsamen politischen Identität in der EU ist ihr jedoch zweifelsohne beizupflichten.

Verlassen wir nun die Turbulenzen, denen sich die Bestimmung einer supranational artikulierten europäischen Position in der Weltpolitik ausgesetzt sieht, und wenden wir uns der genuin "binneneuropäischen" Dimension der politischen Entwicklung der Union zu, stoßen wir auf eine eigentümliche Diskrepanz. Der unterm Strich verhaltene Charakter der öffentlichen Debatten, die den verfassungsgebenden Prozess in der EU begleitet haben, entspricht kaum der Tragweite der von den europäischen Institutionen verhandelten Themen.

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Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

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