Ausgabe Juni 2009

Der akademische Lehrer - eine Erinnerung

Theorie und Praxis: Jürgen Habermas zum 80.

Jürgen Habermas habe ich als akademischen Lehrer erlebt in den Jahren 1964 bis 1969, zuerst als Student in Heidelberg und dann als sein Assistent in Frankfurt, also in der „heißen Zeit“ um 1968, die er als Intellektueller maßgeblich mitgestaltete und in der die Soziologie und auch die Philosophie, für die Habermas in der Nachfolge von Horkheimer in Frankfurt einen Doppellehrstuhl übernahm, sich als Disziplinen innerlich wendeten.

Von Habermas, dem Autor von „Student und Politik“, von „Strukturwandel der Öffentlichkeit“ und vor allem von „Theorie und Praxis“, aber auch der „Logik der Sozialwissenschaften“, alles für die beiden Fächer maßgebliche Schriften – nicht nur zu jener Zeit –, erwarteten die Studenten in Frankfurt eine Aktualisierung der Kritischen Theorie, vor allem in Richtung einer überlegenen Entscheidung des Positivismus-Streites und der „Pokalendspiele“ Marx gegen Max Weber.

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In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

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