Ausgabe September 2000

Im Mantel der Menschenrechtler

Die neue Gesellschaftsfähigkeit der Vertriebenenverbände

Fernab von gesellschaftlicher Realität und politischer Relevanz, so scheint es oft, fristen die Vertriebenenverbände ihr Dasein. War ihr Einfluss auf innen- und außenpolitische Entwicklungen von der Gründungsphase der Bundesrepublik bis hinein in die Ära Kohl evident, so muten die Verlautbarungen des noch über zwei Mio. Mitglieder zählenden Bundes der Vertriebenen (BdV) und der ihm angegliederten Landsmannschaften heute bisweilen anachronistisch an. Die Vertriebenenverbände haben es jedoch in den letzten Monaten geschickt verstanden, ihre Thesen in der Öffentlichkeit zu platzieren. Mit ihren im Kontext des Krieges gegen Jugoslawien und der Flucht der Kosovo-Albaner aufgestellten Forderungen nach internationaler Verankerung eines "Rechtes auf die Heimat" sowie mit dem im Zusammenhang der Zwangsarbeiterentschädigungsdebatte initiierten Diskurs über die Entschädigung "sudetendeutscher Opfer tschechischer Gewalt" gelang es ihnen, politisch brisante Themen aufzugreifen und den eigenen Interessen entsprechend zuzuspitzen.

Kosovo und Zwangsarbeiterentschädigung

Im Fall Kosovo verknüpften die Vertriebenenverbände die dortige Fluchtbewegung mit der Umsiedlung der Deutschen infolge des Zweiten Weltkrieges.

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