Ausgabe Februar 2000

Die Krise hinter der Krise.

Zur Lage der Parteien in der Bundesrepublik

Kein Tag ohne neue Enthüllungen. Ein Spendenskandal jagt den anderen. Die einschlägigen TV-Politikmagazine leiten über mit den Worten: Wir wechseln die Affäre. Was als Fall Kohl begann, sich zum Fall Schäuble auswuchs, ist der Fall CDU geworden. Und wo die Krise der einstigen "Rechtsstaatspartei" in Rede steht, kann das Wort von der Staatskrise nicht fern sein. Jenseits der tagesaktuellen Turbulenzen nimmt Franz Walter die Krise des Parteienstaats und ihre langfristigen Ursachen ins Visier. Seinem Text liegt ein Vortrag zugrunde, den er Ende November auf Einladung von Prof. Joseph Rovan im Senat zu Paris hielt - zu diesem Zeitpunkt schien die christdemokratische Welt noch fast heil, die "Aufklärung" der eigenen Finanzpraktiken hatte erst begonnen. - D. Red.

Vor einigen Jahren war viel und aufgeregt von der Krise der Volksparteien die Rede, zahlreiche Bücher und Artikel, Talkshows und Fernsehrunden zeugen davon. Noch beliebter wurde die Metapher von der "Parteienverdrossenheit", die die düstere Stimmung im neu vereinten Deutschland zu Beginn der 90er Jahre widerspiegelte. Es gibt in Deutschland schließlich das Trauma vom Untergang der Weimarer Republik, was regelmäßig den Alarmismus in der politischen Debatte befördert.

Sie haben etwa 3% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 97% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema Parteien