Ausgabe Mai 2000

Die fünf großen Krisen

Verwerfungen der entwickelten kapitalistischen Gesellschaftsordnung

Wenn sozialwissenschaftlich orientierte Intellektuelle Bilanz ziehen über die Erfolge und Irrwege der rot-grünen Koalition, dann können sie in gewisser Weise auch stolz sein, mit ihrer professionellen Kompetenz ein bißchen Licht in diese verwickelten Verhältnisse zu bringen. Dabei müssen sie aber in jeder Hinsicht ihre Autonomie bewahren, um politisch so eingreifen können, daß sie sich nicht, ob wissentlich oder unbewußt, in die Rolle von Legitimationslieferanten gedrängt sehen. Wollen wir also unsere eigene sozialwissenschaftliche Kompetenz einbringen, dann gilt es, das Orientierungswissen in unserer Gesellschaft zu erweitern, aber so, daß wir uns gleichzeitig der Regeln bewußt werden, wie wir dieses Wissen in öffentlich überzeugende Alternativen umsetzen können. Darin sehe ich die Hauptaufgabe von politisch eingreifenden Intellektuellen. In den 70er Jahren hegten wir die Vorstellung (im Zusammenhang einer Organisationsform, die sich Sozialistisches Büro nannte), daß wir die Spezifizierung von Arbeitsfeldern benötigen, um unsere revolutionären Ansprüche umzusetzen. Diese Arbeitsfeldkonzeption hatte den Sinn, die beruflichen Kompetenzen der Menschen, ihren Leistungsstolz, die Regeln ihres jeweiligen Arbeitszusammenhangs in eine politische Veränderungsstrategie aufzunehmen.

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Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

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