Die Sehnsucht nach einem einfachen und damit transparenten Steuersystem hat eine lange Tradition. Bereits die Physiokraten um François Quesnay plädierten für eine einzige Steuer. Die von ihnen vorgeschlagene impôt unique war tatsächlich einfach, denn der Boden galt als einzige Wertschöpfungsquelle. Also hatten die Grundbesitzer (die classe propriétaire) diese Steuer aufzubringen. Allerdings musste der Versuch, diese impôt unique im Herzogtum Baden einzuführen, im aufkommenden Industriezeitalter scheitern. Da war Adam Smith mit seiner Kampftheorie gegen den Feudalismus realistischer, die er in seinem Klassiker „Wealth of Nations“ (1776) entwickelte, in dem er die Vorzüge, aber auch Grenzen der kapitalistischen Wirtschaftsweise beschrieb. Wenn es schon verschiedene Steuern, die an unterschiedlichen Vorgängen der Wirtschaft ansetzen, geben muss, so sollten wenigstens vier Grundsätze bei der Besteuerung Anwendung finden: Gleichmäßigkeit (Gerechtigkeit bei der Steuerlastverteilung), Bestimmtheit (klare und nachvollziehbare Tatbestände der Besteuerung), Billigkeit (ausreichende Ergiebigkeit gegenüber den Kosten der Erhebung) und Bequemlichkeit. Heute wird die Diskussion um die eine Steuer bzw.
In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.