Ausgabe Dezember 2002

Ein Schurke, wer sich demaskiert?

Kaum von Gesprächen in Nordkorea zurückgekehrt, schreckte der stellvertretende Außenminister der USA, James A. Kelly, die Öffentlichkeit mit der Nachricht auf, Vertreter der Führung des Landes hätten ein neues Kernwaffenprogramm eingestanden. Daraufhin erklärte am 16. Oktober 2002 Richard Boucher, Sprecher des US Außenministeriums, die USA sähen sich fortan außerstande, die im bilateralen Agreed Framework (AF) von 1994 Nordkorea zugesagten ökonomischen und technischen Hilfsleistungen weiter zu erbringen.

Das AF sah vor, dass im Gegenzug für die Einstellung des Atomwaffenprogramms und der Erprobung von Langstreckenraketen Nordkorea unter anderem bis zum Jahre 2003 zwei Leichtwasserreaktoren mit einer Gesamtleistung von 2000 Megawatt (MW) für Zwecke der zivilen Energieversorgung erhalten würde, deren Finanzierung im Umfang von bis zu sechs Milliarden USDollar über ein internationales Konsortium namens KEDO – Korean Peninsula Energy Development Organization – gewährleistet werden sollte. Ein bereits seit 1965 in Yongbyon mit Hilfe sowjetischer Spezialisten errichteter 5-MWForschungsreaktor, seine Brennelementefabrik und Wiederaufbereitungsanlage sollten stillgelegt, die 1984 begonnene Errichtung von zwei weiteren Reaktoren mit einer Leistung von 50 bzw. 200 MW gestoppt werden.

Sie haben etwa 10% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 90% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Euphorie und Ernüchterung: Bangladesch nach dem Aufstand

von Natalie Mayroth, Dil Afrose Jahan

Im September fanden an der Universität Dhaka, einer der wichtigsten Hochschulen Bangladeschs, Wahlen zur Studentenvereinigung statt. Manche sehen sie als Testlauf für die nationalen Wahlen. Daher ist es ein Warnsignal, dass dort ausgerechnet der Studentenflügel der islamistischen Jamaat-e-Islami gewann.