Ausgabe Januar 2003

Polen und die Erweiterung der Europäischen Union

Mit dem endgültigen Beschluss und der Terminierung der Erweiterung der Europäischen Union um zehn Staaten drängt sich die Frage auf, was die alten und neuen Mitglieder wohl von einander zu erwarten haben. Fest steht, dass sich die Union mit den Beitritten wesentlich verändern wird: Der weitaus größte Teil Europas wird zu EU-Europa. Die Zahl der Mitgliedstaaten vergrößert sich um fast 70%. Mehr Staaten als bisher passen nicht gänzlich in die herkömmlichen Gemeinsamkeiten der südlich-romanischen (katholischen) oder der nördlich-angelsächsisch-germanischen (protestantischen) Staatengruppierungen. Das zahlenmäßige Verhältnis zwischen den größeren und den kleineren EU-Staaten verändert sich zu Gunsten der letzteren. Die Aufnahme Zyperns bringt erstmalig einen muslimischen Teilstaat in die Union.

Was vor einem halben Jahrhundert mit engen Vorstellungen von einem westeuropäischen, vorwiegend katholischen, „karolingischen“ Europa begann, schickt sich an, mit Macht neuen Wegen zu folgen. Dass im Europäischen Parlament im November in der gemeinsamen Sitzung mit Parlamentariern aus den Beitrittsstaaten in 23 Sprachen gedolmetscht werden musste, ist mehr als nur ein linguistischer Tatbestand.

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Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

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