Im 21. Jahrhundert hat das organisierte Verbrechen auf dem Balkan etwas erreicht, was in früheren Jahrhunderten große Reiche vollbrachten – die Römer, Byzantiner, Osmanen, Habsburger und für kurze Zeit Hitlers Drittes Reich: die unzähligen rivalisierenden ethnischen Gruppen der Region zu zwingen, für ein gemeinschaftliches Ziel zusammenzuarbeiten. Der Unterschied liegt natürlich im Zwang und in den Anreizen. Frühere Reiche kombinierten dosierte Begünstigungen für Kooperationswillige mit roher Gewalt gegen jene, die Widerstand leisteten. Das Reich der organisierten Kriminellen setzt für seine Unternehmungen wie Drogenschmuggel und -verkauf, Frauenhandel und die grenzüberschreitende Schieberei von Schmuggelware auf einen zeitgemäßeren Anreiz – das Motiv Profit. Selbstverständlich wird auch Druck ausgeübt, sei es Erpressung unterschiedlichen Ausmaßes oder auch Mord. Das soll allerdings nicht heißen, das organisierte Verbrechen wäre wie Schopska-Salat ausschließlich eine Spezialität des Balkans. Vielmehr ist in diesen Zeiten der allgegenwärtigen Armut, der durch eine Serie von Bürgerkriegen hervorgerufenen physischen und sozialen Ruinen sowie der schwachen Zentralregierungen die organisierte Kriminalität zum größten Industriezweig der Region aufgestiegen.
In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.