Ausgabe Juli 2005

Russisches Machtmikado

Putin und die Oligarchen

Es war ein Exempel: Der inhaftierte Ölmagnat Michail Chodorkowski wurde am 31. Mai, am Ende eines an sowjetische Zeiten erinnernden Schauprozesses, zu neun Jahren Lagerhaft wegen Steuerhinterziehung und Betruges verurteilt. Das Zeichen für Russlands Oligarchen ist klar: Wer sich mit der Macht im Kreml anlegt, findet sich schnell im Gefängnis wieder.

Beim Vorgehen gegen Chodorkowski und seinen Ölkonzern Jukos verfolgte der Kreml zwei Ziele: ein politisches, nämlich die Ausschaltung des politischen Widersachers, und ein ökonomisches, die Überführung des größten russischen Öl-Konzerns in Staatsbesitz. Darüber hinaus wirft der Fall aber auch ein grelles Licht auf die derzeitigen Machtverhältnisse in Russland. Offensichtlich brachte das Auftreten Chodorkowskis jene fragile Machtbalance aus dem Gleichgewicht, die Putin mühsam zwischen den verschiedenen Machtzentren des Landes herzustellen versuchte.

Eine zentrale Rolle in diesem Machtkampf spielen die so genannten Oligarchen, jene Gruppe der mächtigsten Unternehmer, die über ein Milliardenvermögen verfügen und in der russischen Wirtschaft eine entscheidende Rolle spielen. Ihnen geht es jedoch nicht nur um wirtschaftlichen, sondern auch um politischen Einfluss. Als Gruppe verbindet sie dabei lediglich das gemeinsame Interesse, möglichst wenig Steuern zu zahlen und den gesamten wirtschaftlichen und politischen Prozess in Russland in ihrem Sinne durch ihre Lobby zu beeinflussen.

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