Ausgabe April 2008

Feminismus eingestellt

Während Medien aller Couleur derzeit über das Jubiläumsjahr 1968 berichten, befinden sich die letzten der aus der Außerparlamentarischen Opposition hervorgegangenen Zeitschriften im Niedergang. So fristet das „Kursbuch“, einst das Theorieorgan der APO, unter der Ägide des „Zeit“-Verlags nur noch ein Schattendasein. Andere, früher wichtige Blätter sind auf mikroskopische Auflagen geschrumpft oder, wie etwa der „Freibeuter“ und die „Gewerkschaftlichen Monatshefte“, inzwischen ganz eingestellt worden.

Am 7. März ereilte dieses Schicksal nun auch die „beiträge zur feministischen theorie und praxis“. Die 1978 gegründeten „beiträge“ waren die erste und größte Zeitschrift des autonomen Flügels der Neuen Frauenbewegung. Sie entstanden zu einer Zeit, als die Wissenschaft feministische Debatten über die Geschlechterfrage noch weithin ignorierte – und die von Männern dominierte Medienlandschaft mit ätzender Kritik auf feministische Forderungen reagierte. Die Zeitschrift sollte daher ein eigenständiges Forum für Frauen sein, die in der Wissenschaft tätig waren, aber zugleich auch für Frauen aus der Bewegung.

Gerade in ihren ersten Jahren waren die „beiträge“ so etwas wie das Zentralorgan des sogenannten Bielefelder Ansatzes.

Sie haben etwa 32% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 68% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Holger Friedrich und die OAZ: Wie ein Verleger Demokratiefeinde hofiert

von Matthias Meisner

Auf dem deutschen Medienmarkt gibt es seit Ende Februar eine neue Zeitung. Das ist angesichts der andauernden Krise der Printmedien bemerkenswert. Doch über die »Ostdeutsche Allgemeine Zeitung« gibt es noch weit mehr zu sagen.