Ausgabe Mai 2010

Sarkozy im Sinkflug

Die französischen Wahlen zu den Regionalparlamenten endeten im März mit einer in ihrem Ausmaß überraschenden Niederlage des Regierungslagers: Nicolas Sarkozys UMP erlitt herbe Verluste, eindeutige Sieger waren die etablierten Linksparteien. Aber auch der wiedererstarkte Front National (FN) konnte erhebliche Stimmengewinne verzeichnen.

Damit erfährt die rechtsextreme Partei unter Jean-Marie Le Pen erstmals seit langem wieder einen Aufschwung. Noch bei der Präsidentschaftswahl 2007 war es Sarkozy gelungen, dem FN rund eine Million Stimmen abzunehmen. Insgesamt war die Partei von 17 Prozent der Stimmen bei der Präsidentschaftswahl 2002 auf 4,3 Prozent bei den Parlamentswahlen 2007 abgesackt.

Nun also die Wiederauferstehung: Der FN erhielt im ersten Wahlgang in den französischen Regionen im Durchschnitt 11,5 Prozent der abgegebenen Stimmen. Bei den Stichwahlen vom 21. März wuchs sein Anteil sogar noch: In den 12 (von 22) Regionen, wo der FN antreten konnte, weil er dort im ersten Wahlgang mindestens zehn Prozent errungen hatte, erzielten die Rechtsradikalen 17,8 Prozent.

Die Spitzenwerte lagen bei 22,9 Prozent für die durch Jean-Marie Le Pen angeführte Liste in Südostfrankreich und 22,2 Prozent für die Liste seiner Tochter und designierten Nachfolgerin, Marine Le Pen, im früheren Bergbaurevier Nord-Pas de Calais in der Nähe der belgischen Grenze.

Sie haben etwa 11% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 89% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Am Rande des Abgrunds: Britische Demokratie in der Krise

von Annette Dittert

Es war sicher kein Zufall, dass Banksy seine erste große Skulptur genau eine Woche vor den wichtigen britischen Regionalwahlen am 7. Mai mitten im Herzen von Westminster aufgestellt hatte. Als hätte er das Wahlergebnis vorhergesehen, zeigt Banksy einen Mann auf einer hohen Säule, in der rechten Hand eine riesige schwarze Flagge.

»10-Millionen-Schweiz«: Mauern gegen die Polykrise

von Cédric Wermuth

Am 14. Juni stimmt die Schweiz per Referendum über eine Initiative ab, die europaweit Schule machen könnte. Unter dem Titel »Keine 10-Millionen-Schweiz« verlangt die rechtsnationalistische Schweizerische Volkspartei die Einführung eines Bevölkerungsdeckels in der Verfassung.