Kurzgefasst | Blätter für deutsche und internationale Politik

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Kurzgefasst

Hermann Scheer: Atomausstieg jetzt: Die Zeit ist reif

Die Atomkatastrophe in Japan hat die Unbeherrschbarkeit der Risikotechnologie Atomkraft in dramatischer Weise offengelegt, die Bundesregierung ist, einstweilen, von ihrem Pro-AKW-Kurs abgewichen. Dennoch ist bislang keineswegs ausgemacht, dass sie den Ausstieg aus der Atomkraft tatsächlich beschleunigen wird. Hermann Scheer, der vor einem halben Jahr verstorbene „Solarpapst“ und Träger des Alternativen Nobelpreises, zeigt die Notwendigkeit und Machbarkeit eines raschen Ausstiegs aus der Atomenergie durch konsequenten Ausbau der erneuerbaren Energien.

Dominic Johnson: Das neue Afrika. Von der Abhängigkeit zur Vernetzung

Afrika ist ein Kontinent ohne Geschichte, unfähig zu politischer Eigenständigkeit und wirtschaftlicher Entwicklung: Vehement widerspricht der Afrika-Redakteur der „taz“, Dominic Johnson, dieser europäisch-kolonialen Sicht. In seinem Essay spannt er stattdessen einen großen Bogen von den afrikanischen Modernisierern des 19. Jahrhunderts über die antikolonialen Bewegungen des 20. Jahrhunderts bis hin zur „neuen afrikanischen Bourgeoisie“ des 21. Jahrhunderts. Johnsons Fazit: Die afrikanischen Staaten haben sich emanzipiert und sind zu eigenständigen Akteuren der Globalisierung geworden.

Die arabische Revolution: Von der Diktatur zur Demokratie? Beiträge von Jochen Hippler, Khadija Katja Wöhler-Khalfallah und Heiko Flottau

Die arabische Welt steht am Scheideweg: In den nächsten Monaten wird sich entscheiden, ob die revolutionären Umwälzungen erfolgreich weitergehen oder die Diktatoren doch die Oberhand behalten. Der Politikwissenschaftler Jochen Hippler richtet den Blick auf die Entwicklung der gesamten Großregion, seine Kollegin Khadija Katja Wöhler-Khalfallah untersucht die Gefahr der Islamisierung am Beispiel Ägyptens und der Journalist Heiko Flottau beleuchtet die Konsequenzen der arabischen Revolutionen für den Nahen Osten und insbesondere für Israel.

Georg Vobruba: Transfer und Revolte. Die EU und das Stabilitäts-Demokratie-Dilemma

Die EU sucht gegenwärtig nach Antworten auf zwei Probleme, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben: die internationale Finanzkrise und die Revolutionen in Nordafrika. Georg Vobruba, Professor für Soziologie an der Universität Leipzig, zeigt auf, dass die beiden Probleme in Wirklichkeit eng miteinander verbunden sind. Seine These: Nur der Einstieg in eine Transferunion, welche auch die äußere Peripherie der EU in Nordafrika einbezieht, eröffnet die Chance, Demokratie und Stabilität miteinander zu verbinden.

Armin Pfahl-Traughber: Feindbild Muslim. Antimuslimismus oder Islamophobie – eine Begriffsklärung

Spätestens seit dem 11. September 2001 lässt sich in vielen westlichen Ländern eine Zunahme von Ressentiments und Vorurteilen gegenüber Muslimen feststellen. Nicht nur der türkische Ministerpräsident Erdogan spricht daher bereits von einem Phänomen der „Islamophobie“. Der Politikwissenschaftler Armin Pfahl-Traughber untersucht nicht nur die neue Feindschaft gegen Muslime, sondern auch die dafür verwendeten Kampfbegriffe. Was er dabei entdeckt, ist weniger Islamophobie als vielmehr Muslimenfeindschaft.

Michael R. Krätke: Vereinigte Pleitestaaten von Amerika

Während alle Welt über die Krise der europäischen Gemeinschaftswährung redet, richtet Michael Krätke, Professor für Politische Ökonomie an der Universität Lancaster, den Blick auf die andere Seite des Atlantik. Denn in den Vereinigten Staaten explodieren nicht nur die Schulden des Bundes, sondern auch der Einzelstaaten und Kommunen. Krätkes These: Die republikanische Blockade in der Steuerpolitik wird die Probleme der US-Wirtschaft weiter vertiefen – und sie kann leicht in eine neue Weltfinanzkrise münden. 

Sabine Hark und Paula-Irene Villa: Selber schuld? Feministische Ambivalenzen der Gegenwart – und eine Replik auf Bascha Mika

Die Diskussion über die Einführung einer Frauenquote wie auch die Kontroverse über Bascha Mikas provozierende Thesen zeigen: Die gesellschaftliche Debatte über den Feminismus brandet wieder auf. Ausgehend von den jüngsten Streitfragen kritisieren die Soziologinnen Sabine Hark und Paula-Irene Villa das neoliberale Geschlechterregime. Sie plädieren dafür, den Blick auf die gesellschaftlichen Strukturen zu richten, die der Gleichberechtigung von Frauen nach wie vor massiv im Wege stehen.

 

(aus: »Blätter« 4/2011, Seite 43-44)

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