Kurzgefasst | Blätter für deutsche und internationale Politik

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Kurzgefasst

Jaron Lanier: Für einen neuen Humanismus. Wie wir der digitalen Entrechtung entkommen, S. 43-58

Die Menschen geben ihre Souveränität zunehmend an Maschinen ab, Computer verwandeln sich dadurch immer mehr zu religiösen Objekten – die totale Überwachung wird bei all dem in Kauf genommen. Jaron Lanier, Pionier und Kritiker der digitalen Revolution, plädiert in seiner großen Dankesrede zum Erhalt des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels für einen neuen Humanismus. Es gelte, den Glauben an die menschliche Besonderheit zu verteidigen – gegen alle totalitären Tendenzen im Zeitalter des Internets.

Daniela Dahn: Frieden muss gestiftet werden. Exempel Kosovokrieg oder: das Völkerrecht als Gegner, S. 59-71

Ob in der Ukraine, in Gaza oder durch den Islamischen Staat: Der Krieg ist in diesem Jahr mit aller Brutalität zurückgekehrt. Die Publizistin Daniela Dahn warnt angesichts der barbarischen Taten jedoch vor westlicher Selbstvergessenheit und erinnert an das Kantsche Postulat „Der Frieden muss gestiftet werden“. Vor diesem Hintergrund analysiert sie das Versagen des Westens im Kosovokonflikt vor 15 Jahren, als ganz gezielte Lügen eingesetzt wurden, um einen Angriffskrieg ohne UN-Mandat zu rechtfertigen.

Hans-Jürgen Urban: Flexibel im Alter: Der Rentner als Retter?, S. 73-80

Ein neuer Stern ist aufgegangen am schwarz-roten Firmament der Rentenpolitik: der Flexi-Rentner. Der rentenarme Alte soll den nichtakademischen Fachkräftemangel kompensieren. „Blätter“-Mitherausgeber Hans-Jürgen Urban, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall, nimmt das neue Projekt der Großen Koalition unter die Lupe: Kann es der Not am Arbeitsmarkt tatsächlich Abhilfe schaffen oder handelt es sich dabei schlicht um eine staatliche Sparmaßnahme in pseudosozialem Gewand?

Rainer Rilling: Thomas Piketty und das Märchen vom Gleichheitskapitalismus, S. 81-91

Der gesellschaftliche Reichtum konzentriert sich immer stärker in den Händen der Kapitalbesitzer. Ungleichheit ist im Kapitalismus somit nicht die Ausnahme, sondern die Regel – so die Erkenntnis von Thomas Piketty in seinem weltweit erfolgreichen Buch „Das Kapital im 21. Jahrhundert“. Worin aber besteht dessen gesellschaftskritischer Kern? Für Rainer Rilling, Soziologe und „Blätter“-Mitherausgeber, ist das Werk vor allem eines: öffentliche Wissenschaft und damit ein Paradebeispiel gesellschaftlicher Selbstaufklärung.

Stefan Kühl: Ganz normale Organisationen. Warum sich Hunderttausende am Holocaust beteiligten, S. 93-100

Kein Genozid hat die Menschheit bis heute mit so vielen Fragen zurückgelassen wie der Holocaust. Der Soziologe Stefan Kühl analysiert die Funktionsmechanismen des Massenmords an den europäischen Juden. Sein erschreckender Befund: Nicht primär ganz normale Deutsche, nicht primär ganz normale Männer, sondern in erster Linie „ganz normale Organisationen“ sorgten für das reibungslose Funktionieren des Genozids.

Michael Brie: Vom »Unrechtsstaat« und der Tragödie des Parteikommunismus, S. 101-109

Das verheerende 20. Jahrhundert holt die linke Politik in Deutschland immer wieder ein. Derzeit zeigt sich dies in der Debatte um die DDR als »Unrechtsstaat», die im Zuge der Thüringer Koalitionsverhandlungen neu entbrannt ist. Michael Brie, langjähriger Leiter des Instituts für Gesellschaftsanalyse der Rosa-Luxemburg-Stiftung, sieht die Aufgabe glaubwürdiger sozialistischer Politik vor allem in der Auseinandersetzung mit dem Parteikommunismus. Deshalb komme es darauf an, nicht nur den „Stalinismus als System“ aufzuarbeiten, sondern endlich auch den „Leninismus als System“.

Hans-Dieter Schütt: Die zementierte Teilung. Literatur und Kritik 25 Jahre nach dem Mauerfall, S. 110-120

Es gab keine Kunst in der DDR. Diese Aussage müssen sich Künstler und Schriftsteller aus dem „Osten“ auch heute, 25 Jahre nach der Vereinigung, immer wieder anhören. Die „Arroganz des Siegers der Geschichte“ nennt dies der Publizist Hans-Dieter Schütt. Er plädiert für eine kritische Selbstreflexion von Kulturschaffenden und deren Kritikern, in Ost und West, und erinnert daran, dass es 1989 weit mehr politische und künstlerische Formen des Widerstands gab als die offene Rebellion.

(aus: »Blätter« 11/2014, Seite 41-42)

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