Kurzgefasst | Blätter für deutsche und internationale Politik

LoginWarenkorb

Kurzgefasst

Frank Adloff: Solidarität statt Egoismus: Das konvivialistische Projekt, S. 43-52

Vor 25 Jahren hoffte die Welt auf eine Ära globaler friedlicher Zusammenarbeit unter Demokratien. Heute leben wir in einer Welt der Krisen, Kriege und Konflikte und im Angesicht zunehmend autoritärer Tendenzen. Wissenschaftler und Philosophen der verschiedensten Strömungen haben dagegen ein konvivialistisches Manifest verfasst, das die Initiativen gemeinschaftsorientierten und nachhaltigen Zusammenlebens bündelt. Der Soziologe Frank Adloff beschreibt die Genese dieses Projekts und sein politisches Potential.

Jürgen Trittin: Die Koalition der Transformation und was ihr im Wege steht, S. 53-63

Steigende soziale Ungleichheit und ein immer dramatischerer Klimawandel sind die drängenden Probleme unserer Zeit. In Deutschland herrscht dagegen schwarz-roter Stillstand. Ex-Umweltminister Jürgen Trittin wirbt für eine Koalition der ökologisch-sozialen Transformation und analysiert, ob und wie diese in Deutschland parlamentarisch umgesetzt werden könnte.

John Nichols: Von Roosevelt zu Obama. Die Aushöhlung der amerikanischen Demokratie, S. 65-75

Eine Gesetzgebung, die die Wahlteilnahme gezielt erschwert, horrend teure Wahlkämpfe, die Kandidaturen nur den Begüterten ermöglichen, sowie schlimmste mediale Diffamierungen politischer Gegner: Diese beunruhigenden Entwicklungen prägen den gegenwärtigen Zustand der US-amerikanischen Demokratie. Der Publizist und Washington-Korrespondent der US-amerikanischen Wochenzeitschrift „The Nation“, John Nichols, diagnostiziert deren Niedergangund fordert einen Kurswechsel – durch einen zivilgesellschaftlichen und verfassungsrechtlichen Aufbruch.

Andreas Heinemann-Grüder: Die Radikalisierungsdynamik des Putinismus, S. 77-85

Noch immer ist der Ausgang der Ukrainekrise völlig ungewiss und der Stillstand der Waffen keineswegs gesichert. Der Politikwissenschaftler Andreas Heinemann-Grüder zeigt verschiedene mögliche Szenarien auf und analysiert dabei vor allem Motive und Interessen des Kremls. Angesichts der unter Putin betriebenen nationalistischen Radikalisierung sei eine Rückkehr zum Status quo ante in der Ukraine schwer vorstellbar. Der Westen könne allenfalls versuchen, den Konflikt „einzufrieren“ und so zumindest den heißen Krieg zu beenden.

Bernd Greiner: Spiel mir das Lied vom Tod. Der Kalte Krieg und die Eskalation der Angst, S. 87-94

Das aktuelle Säbelrasseln zwischen Russland und der Nato im Ukrainekonflikt ruft immer wieder Erinnerungen an den Kalten Krieg hervor. Allerdings würden vorschnelle Analogien den realen Kriegsgefahren der frühen 80er Jahre nicht gerecht, so der Historiker Bernd Greiner. Damals schürten beide Seiten extreme Kriegsangst, und tatsächlich konnte eine nukleare Konfrontation nur knapp vermieden werden. Eine Lehre aus dieser Zeit bleibt dagegen brandaktuell: Zur Abwendung der direkten Konfrontation gibt es nur ein Mittel – das der Kommunikation zwischen den Konfliktparteien.

Tim B. Müller: Der Erste Weltkrieg und die Geburt der sozialen Demokratie, S. 95-108

Seit Beginn des Jubiläumsjahres steht die Kriegsschuldfrage im Mittelpunkt der Debatten um den Ersten Weltkrieg. Viel zu wenig Aufmerksamkeit erfuhr dagegen die Tatsache, dass gerade die Erfahrung dieses Krieges die modernen demokratischen Sozialstaaten in Europa erst hervorgebracht hat. Der Historiker Tim B. Müller beleuchtet die Genese der Massendemokratie aus dem Krieg der Massen und wagt die provozierende These, dass von einem „deutschen Sonderweg“ bis 1930 keine Rede sein könne.

Eric D. Weitz: Liberaler Totalitarismus? Zur Aktualität von Herbert Marcuse, S. 109-120

Herbert Marcuse war der wohl wichtigste intellektuelle Vordenker der Studentenrevolte – von Linken verherrlicht, von Konservativen verteufelt. Heute, da sein bekanntestes Werk „Der eindimensionale Mensch“ 50 Jahre alt wird, ist Marcuse relevanter denn je – so die Ansicht des US-amerikanischen Historikers Eric D. Weitz. Staatliche Massenüberwachung und privatwirtschaftliche Datensammlung machten seine Warnungen vor einem liberalen Totalitarismus und vor der unterdrückenden Macht technologischer Rationalität brandaktuell.

(aus: »Blätter« 10/2014, Seite 41-42)

top