Ausgabe Dezember 2015

Kurzgefasst

Michael T. Klare: Klima und Krieg. Der Pariser Gipfel als Friedenskonferenz, S. 45-50

Seit der epochalen Kyoto-Konferenz vor knapp 20 Jahren sind alle Verhandlungen über ein Nachfolgeabkommen kläglich gescheitert. Umso mehr blickt die Welt nun auf den UN-Klimagipfel in Paris. Der US-amerikanische Friedensforscher Michael T. Klare plädiert entschieden dafür, das vereinbarte Zwei-Grad-Ziel doch noch zu erreichen – allen Prognosen zum Trotz. Denn schon heute sind Ressourcenkriege im Nahen Osten und in Afrika bittere Realität. Daher ist die Tagung in Paris nicht nur ein Klimagipfel, sondern die wahrscheinlich wichtigste Friedenskonferenz der Geschichte.

Patrick Cockburn: Syrien: Das mörderische Patt, S. 51-58

Syrien versinkt im Krieg. Doch während bei den US-Luftangriffen gegen den „Islamischen Staat“ der Durchbruch ausbleibt, stärken die russischen Luftschläge den Machthaber Baschar al-Assad. Der irische Journalist Patrick Cockburn analysiert die Veränderung der militärischen Kräfteverhältnisse in der Levante und die Ursachen des „ewigen Krieges“: den regionalen Großkonflikt zwischen Schiiten und Sunniten sowie die Rivalität der Großmächte USA und Russland. Cockburns fatales Fazit: Alle Konfliktparteien sind zu stark, um besiegt zu werden, und zu schwach, um zu siegen.

Thomas Schmid: Offenheit statt Abschließung. Ein Plädoyer für Europas großen Anspruch, S. 59-68

Die Ankunft Tausender von Bürgerkriegsflüchtlingen steht für den Einbruch der „einen Welt“ in die Europäische Union. Gleichzeitig stoßen die Neuankömmlinge immer häufiger auf Stacheldraht. Der Publizist und ehemalige „Welt“-Herausgeber Thomas Schmid beleuchtet die Existenzkrise der EU, deren krisenuntaugliches Regelsystem vor einer historischen Bewährungsprobe stehe. Es komme darauf an, endlich die nötigen Hauskräche zwischen West- und Osteuropa auszutragen, um eine kontrollierte Migration mit der großen Idee eines offenen Europas zu vereinen.

Wendy Brown: Der totale Homo oeconomicus. Wie der Neoliberalismus den Souverän abschafft, S. 69-82

Der Neoliberalismus ist das zentrale ökonomische Paradigma der letzten Jahrzehnte. Doch sein Grundprinzip der Behauptung freier Märkte führte nicht zu mehr gesellschaftlichem Wohlstand, sondern zu massiver Ungleichheit und zur schleichenden Abschaffung des Staates. Die US-amerikanische Politikwissenschaftlerin Wendy Brown geht noch darüber hinaus und analysiert die totale Ökonomisierung des menschlichen Lebens: Was geschieht mit der Demokratie, wenn der Neoliberalismus den Staat, aber auch die Seele, restlos durchdringt?

Serge Latouche: Vom Glück zum BIP – und die Alternative des guten Lebens, S. 83-97

Am Beginn der westlichen Moderne stand das individuelle Glücksversprechen durch wachsenden Wohlstand. Heute allerdings geht das scheinbar grenzenlose Wachstum der materiellen Güter längst nicht mehr mit steigender Lebensqualität einher. Der französische Ökonom Serge Latouche fordert dazu auf, der Religion ewigen Wachstums endlich abzuschwören. Es komme darauf an, das eigene Denken vom „BIP pro Kopf“ zu befreien, um Platz zu machen für das wahre „gute Leben“.

Carsten Lenz und Nicole Ruchlak: Charter Cities. Honduras als Experimentierfeld neoliberaler Utopien, S. 98-104

Was hilft Entwicklungsländern aus der Armut? Weniger Staat, lautet die Antwort von Verfechtern der sogenannten Charter Cities. Sie plädieren für Zonen, aus denen sich der Staat komplett zurückzieht und die Kräfte des Marktes frei walten lässt. Dort sollen Idealstädte entstehen, die wirtschaftlich prosperieren würden, schildern IT-Berater Carsten Lenz und BR-Redakteurin Nicole Ruchlak. Ein erstes Experiment dieser Art läuft derzeit in Honduras an – und hat schon jetzt mit Korruption und verschärfter Ungleichheit zu kämpfen.

Aktuelle Ausgabe Mai 2026

In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert. 

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