Ausgabe Februar 2015

Kurzgefasst

Johano Strasser: Die Barbaren sind unter uns, S. 49-58.

Die Terroranschläge von Paris waren kaum geschehen, da begann auch schon die Ursachenforschung in den Medien. Die Welt versucht zu verstehen, was die Täter zu ihren barbarischen Morden bewegt hat. Johano Strasser, Politologe und Publizist, hinterfragt unser Verständnis von Zivilisation, Barbarei und der Rolle der Religion bei den jüngsten Gewaltakten. Die Ursprünge der Barbarei sind vielfältig, so Strasser, und die Möglichkeit dazu steckt in uns allen.

Andrew Cockburn: Game on: Ost gegen West, S. 59-71.

Mit dem Ringen um die Ukraine scheint sich ein alter Konflikt zwischen Ost und West zu erneuern. Andrew Cockburn, Publizist und Redakteur des „Harper’s Magazine“, zeichnet nach, wie amerikanische Rüstungslobbyisten nach dem Ende des Kalten Krieges mit dem Einbruch ihrer Umsätze kämpften. Gemeinsam mit den Neocons, so Cockburn, trieben sie die Nato-Osterweiterung voran, erschlossen neue Märkte und eskalierten dadurch die Auseinandersetzung mit Russland.

Sahra Wagenknecht: Rot-Rot-Grün: Politik- statt Personalwechsel. Eine Antwort auf Jürgen Trittin, S. 73-81.

Ob durch Freihandelsabkommen, Austeritätspolitik oder Massenüberwachung: Die sozialen und demokratischen Errungenschaften Europas stehen heute mehr denn je auf dem Spiel. Vor diesem Hintergrund untersucht die stellvertretende Vorsitzende der Linkspartei-Bundestagsfraktion Sahra Wagenknecht die Möglichkeiten und Unmöglichkeiten eines Politikwechsels in Richtung Rot-Rot-Grün. Ihr Resümee: Nur wenn eine neue Regierung tatsächlich eine politische Alternative verkörpert – und nicht nur einen Wechsel im Kanzleramt –, ist sie die Mühe wert.

Alban Werner: Vor der Zerreißprobe: Wohin treibt die AfD?, S. 83-90.

In nur zwei Jahren hat es die AfD geschafft, sich politisch zu etablieren und in vier Parlamente einzuziehen. Doch wie nachhaltig ist dieser Erfolg? Schon drohen massive innerparteiliche Konflikte die Partei zu zerreißen. Alban Werner, Doktorand der Politischen Wissenschaft an der RWTH Aachen, analysiert Stärke und Ausrichtung der widerstreitenden Parteiflügel. Sein Fazit: Angesichts der Annäherung an das mit Pegida auferstandene „Wutbürgertum“ könnten sich schon bald nationalkonservative Strömungen gegen den konservativ-wirtschaftsliberalen Flügel um Parteigründer Bernd Lucke durchsetzen.

Sarah Ganter: Revolution auf eigene Rechnung: Kubas neue Arbeitswelt, S. 91-99.

Mit der jüngsten Annäherung zwischen Kuba und den USA gerät eines der letzten Relikte des Kalten Krieges ins Wanken. Sarah Ganter, Leiterin des Auslandsbüros der Friedrich-Ebert-Stiftung für Kuba und die Dominikanische Republik, zeigt auf, dass die kubanische Führung schon länger auf eine „Aktualisierung der Revolution“ hinarbeitet – speziell in der Arbeitswelt. Doch die Liberalisierung wird auch Verlierer erzeugen. Will Raúl Castro Kubas soziale Errungenschaften bewahren, muss er sie vor den Gesetzen des Marktes schützen.

Barbara Muraca: Wider den Wachstumswahn: Degrowth als konkrete Utopie, S. 101-109.

Nach dem enttäuschenden Ausgang von Lima droht auch die entscheidende Klimakonferenz in Paris am Ende dieses Jahres zum Fiasko zu werden. Die Umweltphilosophin Barbara Muraca erklärt, was einer Kehrtwende in der Klimapolitik im Wege steht: der starre Glaube an wirtschaftliches Wachstum. Einen Ausweg sieht Muraca in der Degrowth-Bewegung: Sie steht nicht nur für die Abkehr von der Wachstumsideologie, sondern auch für eine neu erlernte, kollektive Freiheit.

Martin Seel: Das Ethos des Kinos, S. 111-120.

Das Kino ist eine vergleichsweise junge Kunst und doch ist es heute nicht mehr wegzudenken. Martin Seel, Professor für Philosophie an der Universität Frankfurt a. M., fragt nach dem Verhältnis des Kinos zu den Wahrnehmungs- und Lebensbedingungen der Menschen. Seine Erkenntnis: Die Künste und insbesondere das Kino sind dazu prädestiniert, den Dimensionen des Bestimmtwerdens nachzuspüren, die unser Tun und Lassen auf eine maßgebliche Weise tragen.

Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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