Ausgabe Juli 2015

Bulldozer Renzi

Auf dem jüngsten G7-Gipfel in Elmau präsentierte sich Italiens Premier Matteo Renzi als selbstbewusster Vertreter von Bella Italia. Dabei hatte seine Demokratische Partei (PD) nur eine Woche zuvor bei den Regional- und Kommunalwahlen am 31. Mai einen herben Rückschlag erlitten. Zwar blieb sie in fünf von sieben Regionen mit etwa 25 Prozent der Stimmen weiterhin stärkste politische Kraft. Dennoch büßte sie in einem Jahr rund zwei Millionen Stimmen ein. Noch bei der Europawahl 2014 hatte der PD 40 Prozent der Stimmen erreicht. Seither hat Renzis Charisma offenkundig deutlich an Anziehungskraft verloren: Fast die Hälfte der Wählerinnen und Wähler blieb zu Hause.

Vor allem in den einst roten Regionen in Mittelitalien zeigt sich ein desolates Bild: Gegenüber den letzten regionalen Wahlen 2010 gingen in der Toskana, in Umbrien, den Marken und in Ligurien zwischen zehn und 20 Prozent weniger Bürger an die Urnen, ganz zu schweigen von der Emilia-Romagna, wo bereits Ende November 2014 nur noch 37 Prozent der Wahlberechtigten ihre Landesregierung wählten. Diese hohe Wahlenthaltung lässt sich nicht damit erklären, dass der Wahltag just auf das erste lange Wochenende des frühen Sommers fiel. Weitaus wichtiger ist, dass Millionen Bürger ihre Interessen politisch nicht mehr repräsentiert sehen.

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