Ausgabe März 2015

Der Vormarsch der Robokraten

Silicon Valley und die Selbstabschaffung des Menschen

Bild: istockphoto

Kurz nach der Jahrtausendwende fielen dem Philosophen Jürgen Habermas „merkwürdige Sachbuchautoren“ auf, „die den Menschen aus Fleisch und Blut zum Auslaufmodell“ erklären.[1] Diese provozierten ein „gattungsethisches Selbstverständnis“, das mit dem normativen Selbstverständnis selbstbestimmt lebender und verantwortlich handelnder Personen nicht mehr in Einklang gebracht werden kann. Nur wenige Jahre später holt sich ein mit der digitalen Zukunft Großbritanniens befasster Ausschuss des Oberhauses ausgerechnet bei einem dieser Autoren Rat.[2] Am 22. Juli 2014 wurde dort ein gewisser Nick Bostrom über das Szenario der Ablösung der Menschheit durch eine kommende Computerzivilisation befragt.

In seinem ein Jahr zuvor in englischer Sprache erschienenen Buch „Superintelligenz. Szenarien einer kommenden Revolution“ zeigt sich der Professor von der Universität Oxford davon überzeugt, dass mit eigenem Willen ausgestattete Computer zu den größten existenziellen Risiken gehören, mit denen die Menschheit in diesem Jahrhundert zu rechnen habe – gefährlicher noch als Atomwaffen. Das größte Potential zur Entwicklung einer künstlichen Superintelligenz sieht er in der Steigerung der Rechengeschwindigkeit der Prozessoren.

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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