Ausgabe März 2015

Der Vormarsch der Robokraten

Silicon Valley und die Selbstabschaffung des Menschen

Bild: istockphoto

Kurz nach der Jahrtausendwende fielen dem Philosophen Jürgen Habermas „merkwürdige Sachbuchautoren“ auf, „die den Menschen aus Fleisch und Blut zum Auslaufmodell“ erklären.[1] Diese provozierten ein „gattungsethisches Selbstverständnis“, das mit dem normativen Selbstverständnis selbstbestimmt lebender und verantwortlich handelnder Personen nicht mehr in Einklang gebracht werden kann. Nur wenige Jahre später holt sich ein mit der digitalen Zukunft Großbritanniens befasster Ausschuss des Oberhauses ausgerechnet bei einem dieser Autoren Rat.[2] Am 22. Juli 2014 wurde dort ein gewisser Nick Bostrom über das Szenario der Ablösung der Menschheit durch eine kommende Computerzivilisation befragt.

In seinem ein Jahr zuvor in englischer Sprache erschienenen Buch „Superintelligenz. Szenarien einer kommenden Revolution“ zeigt sich der Professor von der Universität Oxford davon überzeugt, dass mit eigenem Willen ausgestattete Computer zu den größten existenziellen Risiken gehören, mit denen die Menschheit in diesem Jahrhundert zu rechnen habe – gefährlicher noch als Atomwaffen. Das größte Potential zur Entwicklung einer künstlichen Superintelligenz sieht er in der Steigerung der Rechengeschwindigkeit der Prozessoren.

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In der Dezember-Ausgabe ergründet Thomas Assheuer, was die völkische Rechte mit der Silicon-Valley-Elite verbindet, und erkennt in Ernst Jünger, einem Vordenker des historischen Faschismus, auch einen Stichwortgeber der Cyberlibertären. Ob in den USA, Russland, China oder Europa: Überall bilden Antifeminismus, Queerphobie und die selektive Geburtenförderung wichtige Bausteine faschistischer Biopolitik, argumentiert Christa Wichterich. Friederike Otto wiederum erläutert, warum wir trotz der schwachen Ergebnisse der UN-Klimakonferenz nicht in Ohnmacht verfallen dürfen und die Narrative des fossilistischen Kolonialismus herausfordern müssen. Hannes Einsporn warnt angesichts weltweit hoher Flüchtlingszahlen und immer restriktiverer Migrationspolitiken vor einem Kollaps des globalen Flüchtlingsschutzes. Und die Sozialwissenschaftler Tim Engartner und Daniel von Orloff zeigen mit Blick auf Großbritannien und die Schweiz, wie wir dem Bahndesaster entkommen könnten – nämlich mit einer gemeinwohlorientierten Bürgerbahn. 

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