Kurzgefasst | Blätter für deutsche und internationale Politik

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Kurzgefasst

Michael Lüders: Der Krieg in Syrien und die blinden Flecken des Westens, S. 45-53

„Gut“ und „Böse“ scheinen im Fall Syriens klar verteilt: Das verbrecherische Regime führt Krieg gegen das eigene Volk, und eine „gemäßigte“ Opposition stellt sich der Assad-Herrschaft in einem verzweifelten Freiheitskampf entgegen. Doch diese dominante Erzählung des Westens vom Krieg in Syrien greift zu kurz, so der Publizist Michael Lüders. Um die Komplexität des Konflikts zu verstehen, reicht moralische Empörung nicht aus – an deren Stelle muss endlich die politische Analyse treten.

Gwynn Guilford und Nikhil Sonnad: Der Geist des Trumpismus oder: Was Steve Bannon wirklich will, S. 55-67

US-Präsident Trump agiert vor den Kulissen, doch das Drehbuch schreibt ein anderer – sein Chefstratege Steve Bannon. Die Journalisten Gwynn Guilford und Nikhil Sonnad rekonstruieren anhand von dessen O-Tönen der letzten Jahre die Vision jenes Amerikas, das dieser nun zu verwirklichen hofft. Gemäß Bannons Philosophie braucht Amerika im Kern drei Dinge, um erfolgreich zu sein: Kapitalismus, Nationalismus und „judäo-christliche Werte“.

Amanda Hess: Alle gegen Trump: Amerikas neue Frauenbewegung, S. 69-80

Schon immer gab es in der Frauenbewegung Brüche und Spannungen, vor allem zwischen schwarzen und weißen Frauen. Ausgerechnet Donald Trump eint nun die Bewegung, so die Journalistin Amanda Hess. Beim Women’s March im Januar führten Frauen den Widerstand gegen den US-Präsidenten an. Dank ihrer 150jährigen Erfahrung gelang es ihnen dabei sogar, die gespaltene Linke geeint auf die Straße zu bringen.

Anne Britt Arps: »Machismo tötet!« Der Aufstand der Frauen in Lateinamerika, S. 81-87

In Lateinamerika protestiert derzeit eine breite Bewegung gegen die massive Gewalt an Frauen. Mindestens zwölf Frauen werden hier täglich aufgrund ihres Geschlechts ermordet. Schuld daran sind eine machistische Kultur und tiefgreifende strukturelle Diskriminierung, so „Blätter“-Redakteurin Anne Britt Arps. Um die Gewalt zu beenden, ist ein umfassender Wandel nötig. Die Bewegung hat das Potential, diesen voranzutreiben.

Franziska Schutzbach: Jetzt erst recht: Wider die bequeme Weltuntergangslust, S. 89-94

Trump, Syrien, Erdogan – die gegenwärtigen reaktionären Entwicklungen treiben viele in Pessimismus und Resignation. Diese Haltung ist jedoch so bequem wie falsch, kritisiert die Geschlechterforscherin und Soziologin Franziska Schutzbach. Sie plädiert dafür, handlungsfähig zu bleiben und Freiheitspotentiale nicht aus den Augen zu verlieren. Statt sich in melancholischer Behaglichkeit einzurichten, gelte es, demokratische Strukturen zu verteidigen – denn sie sind die Voraussetzung für Widerstand.

Steffen Vogel: National versus global. Das Dilemma der europäischen Sozialdemokratie, S. 95-102

Dank Martin Schulz erlebt die SPD derzeit einen Höhenflug. Tatsächlich aber sind die Sozialdemokraten so schwach wie lange nicht mehr, und das europaweit. Das ist nicht nur ein Ergebnis ihres neoliberalen Kurses, so „Blätter“-Redakteur Steffen Vogel, sondern verweist auch auf eine Spaltung ihrer Anhängerschaft. Dabei stehen sich national gesinnte und global orientierte Milieus gegenüber. Daher muss die Sozialdemokratie wieder eine verbindende, europäische Erzählung entwickeln. 

Lisa Paus und Chris Kühn: Das Geschäft mit der Wohnungsnot, S. 103-108

Der Immobilienhandel boomt, vor allem Großinvestoren verdienen prächtig an Spekulation und Wohnungsnot. Doch die Entwicklung birgt erhebliche Risiken, nämlich das Entstehen einer Immobilienblase, so die Grünen-Politiker Lisa Paus und Chris Kühn. Nur durch steuerrechtliche Reformen und die Förderung von gemeinnützigem Wohnungsbau lässt sich das Anwachsen der Blase noch abwenden und die fehlgeleitete und unsoziale Wohnungspolitik der letzten Jahre korrigieren.

Andreas Müller: Hundert Jahre Jazz: Das Revival des revolutionären Krachs, S. 109-120

Anfangs galt er als „Attentat auf die Melodie“ und „musikalischer Anarchismus“. Das konnte die rasend schnelle Verbreitung des Jazz jedoch nicht aufhalten, resümiert der Musikwissenschaftler Andreas Müller: Vor mehr als 100 Jahren im Schmelztiegel der pulsierenden Hafenmetropole New Orleans entstanden, wird der neue, verrückte Klang bald zur alles überstrahlenden Popmusik des frühen 20. Jahrhunderts: zwischen Schellack-Platte und Transistorradio, leichter Unterhaltung und Kriegspropaganda, schwarzer Emanzipation und von Weißen beherrschtem Musikbusiness.

(aus: »Blätter« 3/2017, Seite 43-44)

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