Kurzgefasst | Blätter für deutsche und internationale Politik

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Kurzgefasst

Chas W. Freeman: USA versus China: Der unausweichliche Krieg?, S. 45-50

Wie einst zu Zeiten des Kalten Krieges stehen sich vor Chinas Küste derzeit die Streitkräfte der USA und Chinas gegenüber. Eine Eskalation dieser Rivalität birgt unabsehbare Gefahren für den gesamten westpazifischen Raum und die Vereinigten Staaten, warnt der amerikanische Diplomat Chas W. Freeman. Die USA müssen sich daher fragen, ob sie an ihrem globalen Vormachtsanspruch festhalten wollen, der China langfristig zu ihrem Todfeind macht.

Naomi Klein: Die Rache der Realität und die Kraft der Utopie. Trumps Krieg gegen die Fakten und wie wir ihn gewinnen können, S. 51-62

Der Widerstand gegen Donald Trumps Antiintellektualismus, seine Fremdenfeindlichkeit und seine Lügen formiert sich – weit über die USA hinaus. Die kanadische Publizistin Naomi Klein zeigt auf, unter welchen Bedingungen der politische Widerstand gegen Trump erfolgreich sein kann. Entscheidend ist dabei – auch als Lehre aus dem Finanzcrash 2008 – ein neues utopisches Denken jenseits des neoliberalen Kapitalismus.

Wolfgang Sachs: Gerechtigkeit im Treibhaus. Für eine Neuausrichtung der Klimapolitik, S. 63-69

Angesichts des voranschreitenden Klimawandels hängt die künftige Gestalt der Welt davon ab, ob langfristig die Stärkung des Rechts oder aber das Recht des Stärkeren die Oberhand gewinnt, schreibt der Soziologe und Theologe Wolfgang Sachs. Er mahnt nicht nur Solidarität mit den Opfern unserer imperialen Lebensweise an, sondern auch einen grundlegenden Wandel der internationalen Klimapolitik.

Micha Brumlik: Flucht ohne Grenzen. Das Weltbürgerrecht und die Neuvermessung des politischen Raums, S. 71-78

Die durch die Globalisierung hervorgerufenen massenhaften Fluchtbewegungen markieren einen politisch-philosophischen Einschnitt: Sie führen westlichen Gesellschaften allzu deutlich vor Augen, dass die globalisierte Welt ein kosmopolitisches Denken erfordert, so „Blätter“-Mitherausgeber Micha Brumlik. Angesichts erstarkender rechtspopulistischer Bewegungen diskutiert er die Forderung nach einer globalen Niederlassungsfreiheit und einem Weltbürgerrecht.

Mithu M. Sanyal: Schicksalsfrage Feminismus. Der Kampf um die Selbstbehauptung, S. 79-86

Die Frauenbewegung der letzten 50 Jahre hat erhebliche gesellschaftliche Fortschritte erzielt. Dennoch verfügen noch immer nicht alle Bürgerinnen und Bürger über die gleichen Rechte, kritisiert die Kulturwissenschaftlerin Mithu M. Sanyal. Sie plädiert dafür, weiterzukämpfen – gemeinsam und über die Befreiung der Frauen hinaus. Denn der wesentliche gesellschaftliche Widerspruch, den es zu überwinden gilt, sei nicht Patriarchat versus Matriarchat, sondern hierarchisches versus kooperatives Denken.

Frank Bsirske und Klaus Busch: Die Zukunft der EU: Integration statt Krisenverschleppung, S. 89-95

Bei den jüngsten Wahlen in der EU obsiegten proeuropäische Parteien. Dies darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass andernorts EU- und euroskeptische Parteien weiterhin auf dem Vormarsch sind, betonen der Verdi-Vorsitzende Frank Bsirske und Klaus Busch, Professor für Europäische Studien. Verantwortlich hierfür ist nicht zuletzt die anhaltende Austeritätspolitik, die vor allem südeuropäischen Staaten auferlegt wurde. Eine gesamteuropäische Kurswende ist daher dringend geboten.

Joseph Vogl: Die Vergötzung des Marktes. Über das seltsame Überleben des Gottesbeweises in der Ökonomie, S. 97-108

Die Wirtschaftswissenschaften konnten mit ihren mathematischen Modellen die Weltwirtschaftskrise nicht vorhersehen. Dafür gibt es vor allem einen Grund, so der Kulturwissenschaftler Joseph Vogl: Die liberale Markttheorie vergötzt den Markt und folgt der Logik des Gottesbeweises. Anstatt jedoch Krisen als unvermeidbare Vorkommnisse im ansonsten funktionierenden System zu rechtfertigen, muss die ökonomische Prognostik ihre Methoden radikal ändern – und sich damit selbst politisieren.

Roberto Simanowski: Die Facebook-Utopie. Wie Mark Zuckerberg die Welt retten will, S. 109-119

Facebook-Chef Mark Zuckerberg will mit seiner Online-Community nicht weniger als eine solidarische Weltgemeinschaft erschaffen. Dabei verwechselt er jedoch die Gleichgültigkeit der Nutzer mit Toleranz, kritisiert der Literatur- und Medienwissenschaftler Roberto Simanowski. Die komplexen Probleme unserer Gesellschaft lassen sich nicht einfach mit Ingenieursmentalität und mehr Vernetzung lösen. Im Gegenteil: Durch Vereinfachung und Sensationsgier verstärkt Facebook diese noch zusätzlich. 

(aus: »Blätter« 9/2017, Seite 43-44)

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