Kurzgefasst | Blätter für deutsche und internationale Politik

LoginWarenkorb

Kurzgefasst

Marcel Serr: Krieg um Syrien: Das neue Great Game, S. 37-43

Sieben Jahre nach Beginn des syrischen Bürgerkriegs ist noch immer kein Frieden in Sicht. Im Gegenteil: Aus einem vormals regionalen Konflikt ist ein zunehmend globaler Stellvertreterkrieg geworden, in dem sich eine Vielzahl von Akteuren gegenübersteht. Der Politikwissenschaftler und Historiker Marcel Serr analysiert die komplexe Konfliktdynamik. Sein Fazit: Ohne eine Strategie der Deeskalation droht eine Zerreißprobe für die ohnehin schon prekäre multilaterale Weltordnung.

August Pradetto: Mit aller Macht: Wladimir Putin zum Vierten, S. 44-52

Bis 2024 wird der neue und alte russische Präsident Wladimir Putin heißen. Dessen Wiederwahl zeugt allerdings nicht nur von einer unangefochtenen Machtstellung im Innern. Vor allem außenpolitisch hat Putin Russland zu neuer Stärke verholfen. Der Politikwissenschaftler August Pradetto analysiert, wie sehr Putin dabei das Vorbild des westlichen Unilateralismus kopiert – und stellt fest, dass ihm dieser „Realismus“ immer mehr selbst zum Nachteil gereicht.

Craig Murray: Russland unter Anklage: Das Nowitschok-Mysterium, S. 53-57

Der Giftanschlag auf den britisch-russischen Doppelagenten Sergej Skripal und seine Tochter in Salisbury hat massive Anklagen westlicher Regierungen gegen Russland provoziert. Dabei ist die Beweislage bislang ausgesprochen dünn. Der ehemalige britische Botschafter Craig Murray beleuchtet die Geschichte des umstrittenen Nervengiftes Nowitschok wie auch die möglichen Verbreitungswege nach dem Untergang der Sowjetunion. In diesem Lichte warnt er vor vorschnellen Schuldzuweisungen.

Alfred W. McCoy: Die Opiumfront. Afghanistan als schwarzes Loch der Geopolitik, S. 59-69

Seit fast vier Jahrzehnten befindet sich Afghanistan im Krieg. Doch ein Ende der Kämpfe ist auch nach über 16 Jahren westlicher Militärintervention nicht in Sicht. Alfred McCoy, Professor für südostasiatische Geschichte, zeigt, wie Sieg und Niederlage in Afghanistan an einer einzelnen Pflanze hängen: dem Schlafmohn. Der Handel mit ihr bestimmt das Konfliktgeschehen und macht das Land zum weltweit führenden Narkostaat. Alle Optionen einer militärischen Befriedung sind daher chancenlos.

GroKo oder: Die große Verschleppung. Mit Beiträgen von Ulrich Schneider, Grit Genster und Susanne Götze, S. 71-86

170 Tage nach der Wahl kam es schließlich doch zu einer, wenn auch kleinen „großen“ Koalition. Doch schon heute steht diese vor gewaltigen Herausforderungen. Die zunehmende soziale Spaltung der Gesellschaft (Ulrich Schneider), der dramatische Pflegenotstand (Grit Genster) und eine halbherzig im Koalitionsvertrag abgehandelte Klimapolitik (Susanne Götze) erfordern grundlegend neue Lösungsansätze. Deren Umsetzung scheint jedoch in weite Ferne zu rücken.

Pankaj Mishra: Imperialer Rassismus. Vom Ersten Weltkrieg bis zu Donald Trump, S. 87-100

Das Gedenken an den Ersten Weltkrieg betont vor allem die damalige Selbstzerstörung Europas. Dabei kämpften auf beiden Seiten hunderttausende nichtweiße Soldaten aus Afrika oder Asien. Sie aber, so der Essayist Pankaj Mishra, erlebten diesen Krieg nicht als Zivilisationsbruch, sondern als Rückkehr der Kolonialgewalt an ihren Ursprung – der ihr zugrunde liegende imperiale Rassismus besteht bis heute.

Inken Behrmann: »Wir werden frei sein!«. Schwarzer Widerstand von Martin Luther King bis Black Lives Matter, S. 101-109

Nach der Wahl Barack Obamas zum US-Präsidenten hofften viele auf die Überwindung des Rassismus. Doch spätestens seit dem Amtsantritt Donald Trumps und der zunehmenden Polizeigewalt gegen Afroamerikaner kann davon keine Rede mehr sein. Die Politikwissenschaftlerin Inken Behrmann erinnert vor diesem Hintergrund an die Aktualität des vor 50 Jahren ermordeten Martin Luther Kings und zeichnet eine Linie bis zur Bewegung Black Lives Matter.

Claus Leggewie: Kein Sozialismus ist auch keine Lösung. 1968 und der heimatlose Antikapitalismus, S. 110-118

Als im April 1968 der charismatische Anführer des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes, Rudi Dutschke, angeschossen wurde, war noch nicht absehbar, dass die 68er-Bewegung ihren Höhepunkt bereits überschritten hatte. Ein halbes Jahrhundert später fragt der Politikwissenschaftler und „Blätter“-Mitherausgeber Claus Leggewie, was von ’68 geblieben und was unter die Räder gekommen ist – und inwiefern ein Zusammenhang mit dem Erstarken der Neuen Rechten besteht.

(aus: »Blätter« 4/2018, Seite 35-35)

top