Ausgabe Juni 2018

Kurzgefasst

Ulrich Menzel: Tribut für China: Die neue eurasische Weltordnung, S. 49-60

Unter Donald Trump ziehen sich die USA zunehmend als globale Ordnungsmacht zurück. China jedoch wird die so entstandene Lücke nicht füllen, so der Politikwissenschaftler Ulrich Menzel. Die Volksrepublik will nicht weltweit Ordnung stiften, sondern konzentriert sich vor allem auf die geopolitische und wirtschaftliche Dominanz im eurasischen Raum, um mit dem Projekt der „Neuen Seidenstraße“ ein Tributsystem aufzubauen.

Norman Birnbaum: Trump forever? Das Elend der amerikanischen Demokratie, S. 61-68

Donald Trumps Scheitern gilt manchen Beobachtern schon als ausgemacht, spätestens 2020 würden die Wähler ihn abstrafen. Diese Hoffnung aber ist voreilig, warnt der Politikwissenschaftler und „Blätter“-Mitherausgeber Norman Birnbaum: Hinter dem US-Präsidenten stehen gut organisierte Interessengruppen und überzeugte Anhänger, die seine Wiederwahl keineswegs unmöglich erscheinen lassen.

Andrey Baklitskiy und Olga Oliker: Die Rückkehr der Bombe. Die neue US-Nukleardoktrin und die russische »De-Eskalation«, S. 69-76

Im Juli wird der Atomwaffensperrvertrag 50 Jahre alt. Und wie zu Zeiten des Kalten Krieges fürchtet der Westen, der Kreml betreibe eine nukleare Strategie der „Eskalation zur Deeskalation“. Zu Unrecht, wie die amerikanisch-russischen Experten für Nuklearstrategie, Olga Oliker und Andrey Baklitskiy, betonen. Moskau habe die Schwelle für einen Atomwaffeneinsatz zuletzt eher erhöht als gesenkt – nutze aber gleichzeitig die Furcht des Westens vor russischen Atomwaffen für seine Zwecke.

Corinna Hauswedell: Nordirland und der Brexit: Fragiler Frieden in Gefahr, S. 77-83

Vor 20 Jahren führte das Karfreitagsabkommen zu einem fragilen Frieden in Nordirland – auch dank der offenen Grenze zur Republik Irland im Süden. Doch mit dem nahenden Brexit drohen neue Grenzkontrollen und damit eine Neuauflage des blutigen Konflikts, warnt die Friedensforscherin Corinna Hauswedell. Der Brexit könnte die einstige britische Dominanz gegenüber dem irischen Autonomieanspruch zu neuem Leben erwecken – in Form anti-europäischer Abgrenzung.

Anke Schwarzer: Das verdrängte Verbrechen. Plädoyer für eine Dekolonialisierung der Bundesrepublik, S. 85-90

Vor fast genau 100 Jahren endete die deutsche Kolonialherrschaft in Afrika. Doch anders als etwa die Verbrechen des Nationalsozialismus ist dieser Teil der deutschen Geschichte bis heute kaum aufgearbeitet. Das scheint sich nun langsam zu ändern, konstatiert die Journalistin Anke Schwarzer. Sie plädiert für die Etablierung einer umfassenden Gedenkkultur – und für die Überwindung von in der Gesellschaft tief verankerten kolonialen Mythen und Abwehrreflexen.

Michael Hardt und Antonio Negri: Der schwarze Spiegel: Soziale Bewegung von rechts, S. 93-104

Von Pegida bis zum sogenannten Islamischen Staat: Weltweit sorgen rechte Bewegungen für Unruhe. Doch auch wenn diese mitunter Ähnlichkeiten mit sozialen Emanzipationsbewegungen aufweisen, sind sie keinesfalls mit diesen gleichzusetzen, so die Philosophen Michael Hardt und Antonio Negri. Vielmehr sind die rechten Bewegungen von heute im doppelten Sinne reaktionär: Sie reagieren zum einen lediglich auf die progressiven Bewegungen, deren Protestformen sie kopieren, um zum anderen überkommene oder gar fiktive Ordnungen zu errichten.

Klaus Dörre: Neo-Sozialismus oder: Acht Thesen zu einer überfälligen Diskussion, S. 105-115

Während die politische Linke in Deutschland ausgelaugt und ideenlos wirkt, erobert die AfD zunehmend das verlassene Terrain. Daher muss die Linke endlich aus vergangenen Fehlern lernen, um wieder gesellschaftliche Mehrheiten zu erreichen. Dafür aber, so der Soziologe Klaus Dörre, benötige es eine neue Form des Sozialismus – als demokratischen Experimentalismus jenseits der kapitalistischen Wirtschaftsordnung.

»Es gibt Alternativen«. Zum Tode von Elmar Altvater: Mit Beiträgen von Bodo Zeuner und Raul Zelik, S. 116-120

Am 1. Mai verstarb der marxistische Theoretiker wie Praktiker und Professor für Politische Ökonomie Elmar Altvater, der wie kaum jemand sonst in Deutschland die Verbindung von Ökologie und Kapitalismuskritik verkörperte. An sein Leben und Wirken erinnern in ihren Trauerreden sein langjähriger Kollege am Otto-Suhr-Institut der FU Berlin, Bodo Zeuner, und der Schriftsteller und Politikwissenschaftler Raul Zelik.

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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