Kurzgefasst | Blätter für deutsche und internationale Politik

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Kurzgefasst

Petra Köpping: Ostdeutschland oder Das große Beschweigen. Wie die Fehler der Nachwendezeit unsere Demokratie vergiften, S. 41-51.

Dem Land Sachsen geht es auf den ersten Blick gut. Spätestens aber die rechtsextremen Ausschreitungen in Chemnitz haben gezeigt, wie viel Wut und Hass sich bei vielen Ostdeutschen angestaut haben. Fast 30 Jahre nach der Wende verstehen sie sich als Bürger zweiter Klasse, so die sächsische Integrations- und Gleichstellungsministerin Petra Köpping. Um das zu ändern, müssen die kollektiven Kränkungen der Nachwendezeit endlich aufgearbeitet werden. Aber auch die Ostdeutschen selbst müssen ihre eigene Verantwortung kritisch reflektieren.

Ireneusz Paweł Karolewski und Claus Leggewie: Endspiel um die Demokratie: EU gegen Ungarn und Polen, S. 53-60.

Nach Polen sieht sich nun auch Ungarn mit einem Rechtsstaatsverfahren der Europäischen Union konfrontiert. Das ist bitter nötig, angesichts der dortigen illiberalen Entwicklung, kommentieren der Politikwissenschaftler Ireneusz Paweł Karolewski und „Blätter“-Mitherausgeber Claus Leggewie. Zugleich aber riskiere jede Kritik von außen, dass in den Ländern eine Wagenburgmentalität entsteht – mit kontraproduktiven Folgen.

Norman Birnbaum: Die große Entzauberung. Die Legende von der liberalen US-Hegemonie, S. 61-66.

Die US-amerikanische Vormachtstellung schwindet zusehends: Europa wendet sich ab, selbst der US-Dollar als globale Leitwährung steht in Frage. Allerdings hat diese Entwicklung nicht Donald Trump ausgelöst, analysiert der „Blätter“-Mitherausgeber Norman Birnbaum. Vielmehr ist sein Aufstieg symptomatisch für jenen Elitendiskurs, der das unausweichliche Ende der vermeintlich liberalen US-Hegemonie noch immer verleugnet. 

Jürgen Tallig: Earth first: Der Preis des Lebens, S. 67-76.

Der diesjährige Hitzesommer hat einmal mehr gezeigt, dass die Erde in einen lebensfeindlichen Systemzustand übergeht. Dennoch sind wir noch immer nicht bereit, unsere Wirtschafts- und Lebensweise radikal zu ändern. Den Grund dafür sieht der Politikwissenschaftler Jürgen Tallig in dem viel zu niedrigen Preis für Energie und Rohstoffe. Gerade aber weil die Leistungen der Natur schier unersetzlich sind, muss deren Preis um ein Vielfaches ansteigen. Andernfalls zahlen wir buchstäblich mit unserem Leben.

Thilo Bode: Lobbyismus 2.0: Der industriell-politische Komplex, S. 77-87.

Die Mehrzahl der Deutschen fordert ein Glyphosatverbot. Dennoch stimmte die Bundesregierung in Brüssel dafür, das Ackergift in der EU weiterhin zuzulassen. Ebendies ist Ausdruck einer lobbyistischen Übermacht, kritisiert Foodwatch-Gründer Thilo Bode. Längst ist ein dichtes Machtgeflecht aus Industrie und Politik entstanden, das die Demokratie im Kern bedroht.

John Lanchester: Schluss mit der Ungleichheit: Zehn Jahre Finanzkrise, Teil II, S. 89-96.

Einst galt der Kapitalismus seinen Befürwortern auch als die moralisch überlegenere Wirtschaftsweise. Diese Überzeugung ist aber spätestens mit der Finanzkrise zutiefst erschüttert worden, so der Schriftsteller John Lanchester. Damit aber wachsen zugleich die Zweifel an den politischen Eliten, die es versäumt haben, die zunehmende Ungleichheit zu bekämpfen.

Rudolf Hickel: Nach der Krise ist vor der Krise: Warum der nächste Crash droht, S. 97-104.

Im Zuge der Finanzkrise 2008 konnte der Sturm der Kunden auf ihre privaten Einlagen gerade noch verhindert werden, denn die Bundesregierung versprach deren staatliche Sicherung. Der „Blätter“-Mitherausgeber Rudolf Hickel bezweifelt jedoch, dass die Politik die richtigen Lehren aus der Krise gezogen hat. Ein erneuter Crash sei keineswegs ausgeschlossen. 

Maria Theresia Starzmann: Das Elend des Wissensprekariats, S. 105-112.

Wer in den USA die Universität besucht, kann sich glücklich schätzen – ist aber am Ende hoch verschuldet, so die Anthropologin Maria Theresia Starzmann. Dies zwinge junge Wissenschaftler in eine Spirale prekärer Uni-Jobs, von denen vor allem die Hochschulen profitieren. Gegen diese Ausbeutung helfe nur eins: Solidarität und gewerkschaftliche Organisierung.

Christa Wichterich: Gekaufte Mutterschaft. Das globale Geschäft mit dem Kinderwunsch, S. 113-119.

Das Wunschbaby auf Bestellung? Hierzulande ist die Möglichkeit der Leihmutterschaft rechtlich stark eingeschränkt – ganz im Gegensatz zu anderen Ländern. Die Soziologin Christa Wichterich kritisiert den daraus resultierenden „Fruchtbarkeitstourismus“ und die wirtschaftliche Ausbeutung der Frauenkörper.

(aus: »Blätter« 10/2018, Seite 39-40)

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