Kurzgefasst | Blätter für deutsche und internationale Politik

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Kurzgefasst

Harald Welzer: Mehr Zukunft wagen. Zeit für Wirklichkeit – aber eine andere, S. 53-64

Über 70 Jahre lang zog die westliche Nachkriegsgesellschaft ihren Antrieb aus der Vorstellung einer erreichbaren wie erstrebenswerten Zukunft. Gegenwärtig mangelt es jedoch an einer derartigen Perspektive. Nach Ansicht des Soziologen Harald Welzer sind wir gefangen in einer Gegenwart aus totalem Konsumismus und der Dystopie einer ökologischen und sozialen Katastrophe. Dagegen benötigen wir dringend wieder attraktiverer Zukunftsbilder, an die eine Politik der Utopie anknüpfen könnte.

Naomi Klein: Nutzen wir unsere letzte Chance! Alexandria Ocasio-Cortez und der Kampf für einen Green New Deal, S. 65-71

Für die dringend erforderliche Klimawende bleiben nur noch wenige Jahre. Doch der amtierende US-Präsident sabotiert durch seine Politik der Leugnung jeglichen Wandel. Donald Trump unterschätze allerdings, so die Globalisierungskritikerin Naomi Klein, wie sehr die amerikanische Öffentlichkeit nach entschlossenem Handeln gegen die Krise dürstet. Bei den Präsidentschaftswahl 2020 müsste die Demokratische Partei daher einen Green New Deal ins Zentrum ihrer Kampagne rücken. Nur mit einem solchen sozial-ökologischen Reformpaket könne möglich werden, was bislang unmöglich scheint. 

Julia Fritzsche: Buen Vivir – auch im globalen Norden?, S. 73-83

Wir müssen unsere Lebensweise ändern, wollen wir den Planeten retten – diese Einsicht motiviert die derzeit weltweit für einen konsequenten Klimaschutz demonstrierenden Schülerinnen und Schüler. Doch was bedeutet diese Erkenntnis konkret? Die Journalistin Julia Fritzsche beleuchtet, was wir im globalen Norden vom indigenen Konzept des „Buen Vivir“, des guten Lebens für alle, lernen können. Sie zeigt: Gemeinschaftsgärten, Ernährungsräte und solidarisches Wirtschaften stehen schon heute für ein maßvolles Leben auch hierzulande.

Steffen Vogel: Der Aufstand der Gelbwesten: Eine rechte Revolte?, S. 85-92

Die Gelbwesten, deren Proteste auch nach vier Monaten weiter anhalten, gelten manchen Linken vor allem als klassenkämpferische Bewegung für soziale Gerechtigkeit. Das aber ist eine gefährliche Illusion, warnt „Blätter“-Redakteur Steffen Vogel. Denn obschon die Gilets Jaunes sozialpolitische Forderungen stellen, kursieren bei ihnen doch auch in erheblichem Maße antisemitische Verschwörungstheorien und Demokratieverachtung. Schon jetzt zeigt sich, wer am meisten von dieser Bewegung profitieren wird: die Rechtsextreme Marine Le Pen. 

August Pradetto: 70 Jahre Nato: Von der Konfrontation zur Integration und wieder zurück, S. 93-102 

Zu ihrem 70. Geburtstag wird sich die Nato als das erfolgreichste Militärbündnis der Geschichte feiern. Gleichzeitig befindet sie sich angesichts massiver politischer Spannungen und Konflikte, im Innern wie im Äußeren, in der vielleicht schwierigsten Phase ihrer Existenz, so der Politikwissenschaftler August Pradetto. Neben integrativen Phasen werde die Geschichte der Nato aber vor allem auch durch ihre Konfrontationspolitik gekennzeichnet. Um das Bündnis wie die Welt zu stabilisieren, helfe dagegen nur eines: eine globale Sicherheitspolitik basierend auf einem gemeinsamen völkerrechtlichen Fundament. 

Olaf Bernau: Westafrika: Fluchtursachen bekämpfen – aber richtig, S. 103-112

Wenn es um die Bekämpfung der Fluchtursachen in Afrika geht, dann liegt der politische Fokus in aller Regel auf punktuellen Interventionen im gesamtafrikanischen Raum. Um zu einem tieferen Verständnis der Fluchtursachen zu gelangen, muss nach Ansicht des Soziologen Olaf Bernau jedoch die langfristige regionale Entwicklung der afrikanischen Gesellschaften betrachtet werden. Am Beispiel Westafrikas analysiert er die Eckpunkte der Entwicklung und stellt acht Forderungen für wirkungsvollere Maßnahmen zur Debatte. 

Uwe Hoering: China gegen Indien: Der Kampf um Asien, S. 113-120

Ende Februar eskalierte erneut der Kaschmir-Konflikt. Das Verhältnis zwischen Indien und Pakistan ist seit jeher angespannt, es wird jedoch zu Unrecht als eine rein indisch-pakistanische Angelegenheit verstanden. Nach Auffassung des Politikwissenschaftlers Uwe Hoering verbirgt sich dahinter der Machtkampf zwischen China und Indien. Die Beziehung der beiden Atommächte ist eine zutiefst konfliktgeladene – und wird durch Chinas Neue Seidenstraße noch schwieriger. Dieser Kampf um die Hegemonie droht die ganze Region in die Krise zu stürzen. 

(aus: »Blätter« 4/2019, Seite 51-52)

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