Kurzgefasst | Blätter für deutsche und internationale Politik

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Kurzgefasst

Bill McKibben: Der schrumpfende Planet, S. 49-56.

Alle reden über den Klimawandel. Dennoch vergegenwärtigen wir uns nur selten dessen bereits sichtbare Folgen, so der Umweltaktivist Bill McKibben. Dabei bieten die Temperaturrekorde des Sommers 2018 nur einen Vorgeschmack auf das, was uns noch bevorsteht: Steigende Meeresspiegel, Hitzezonen und wachsende Wüsten drohen die bewohnbaren Regionen des Planeten buchstäblich schrumpfen zu lassen – und zwar rasend schnell.

Sven Hilbig: Entwicklungspolitik 2.0? Der globale Süden und das falsche Versprechen der »digitalen Dividende«, S. 57-64.

Die Digitalisierung soll Wirtschaftswachstum schaffen und gleichzeitig Ressourcen schonen. Ein Blick über den europäischen Tellerrand entlarvt dies jedoch als Irrglauben, so Sven Hilbig, Referent für Welthandel bei „Brot für die Welt“. Denn im globalen Süden könnte die Digitalisierung zum massiven Verlust von Arbeitsplätzen, neuen Abhängigkeiten von Konzernen sowie einem steigenden Energieverbrauch führen.

Armin Wolf: Zwischen Propaganda und Paywall: Journalismus in der Krise, S. 65-72.

Aufklärerischer Journalismus ist in diesen Zeiten wichtiger denn je. Doch gerade jetzt wird er massiv bedroht, warnt der ORF-Journalist Armin Wolf. Nicht nur fehlt den Medien eine Strategie, im Internet Geld zu verdienen. Sie werden auch direkt angegriffen: Weltweit untergraben Rechtspopulisten mithilfe von Fake News und Social-Media-Kampagnen das Fundament seriöser Berichterstattung: sorgsam recherchierte Fakten. Dagegen gilt es, den journalistischen Arbeitsethos unbeirrt zu verteidigen.  

Steffen Vogel: Festung oder Solidargemeinschaft: Die Europawahl als Lagerkampf, S. 73-80.

Oft heißt es, bei der kommenden Europawahl komme es zum Kampf zwischen Gegnern und Befürwortern der EU. Doch das ist zu einfach, argumentiert „Blätter“-Redakteur Steffen Vogel. Tatsächlich ringen mit Nationalisten, Konservativen, liberalen Reformern und Linken gleich vier Blöcke um die Zukunft des Kontinents. Aus der zunehmenden Polarisierung gibt es nur einen Ausweg: Die pro-europäischen Parteien und Bewegungen müssen lagerübergreifende Bündnisse für den Ausbau demokratischer Institutionen und für mehr soziale Gerechtigkeit schmieden.

Paul Simon: Poroschenkos Ukraine: Die Wiederkehr des Patronagestaats, S. 81-90.

Mit dem Euromaidan in Kiew verbanden viele Ukrainer die Hoffnung auf das Ende von Korruption und Oligarchenherrschaft. Doch fünf Jahre später ist vom demokratischen Aufbruch wenig geblieben, bilanziert der Journalist Paul Simon. Das Land leidet nach wie vor unter einem komplexen Patronagesystem aus informellen Seilschaften. Vor der Präsidentschaftswahl im März ist die begonnene Demokratisierung in Gefahr.

Andreas Heinemann-Grüder: Das Ende der Illusionen: Wie weiter mit Russland und der Türkei?, S. 91-99.

Mit dem möglichen Nato-Beitritt Russlands und der angestrebten EU-Mitgliedschaft der Türkei schien kurzfristig eine Öffnung und weitere Demokratisierung dieser Länder möglich. Derzeit gerieren sich beide Regime jedoch zunehmend autoritär. Daher plädiert der Politikwissenschaftler Andreas Heinemann-Grüder für einen grundlegenden Kurswechsel der bundesdeutschen Außenpolitik. Mehr Konsistenz, klare rote Linien sowie kommunikative Konfliktprävention sind aus seiner Sicht dringend geboten. 

Micha Brumlik: Israel oder: Die politische Theologie der Wiedergeburt, S. 100-110.

Auch 70 Jahre nach der Gründung Israels wird über eine jüdische Staatlichkeit noch immer kontrovers diskutiert. Grund dafür sind nicht zuletzt die theologischen Motive, die den gesamten Nahostkonflikt unverhältnismäßig stark aufladen, so der „Blätter“-Mitherausgeber Micha Brumlik. Umso wichtiger aber sei es, den Konflikt im globalen Kontext zu sehen – und eine aufklärerische Haltung im Sinne der Menschenrechte einzunehmen. 

Klaus Lederer: Wie viel Blut klebt an der Kunst? Von der Dekolonisierung der Museen zur Dekolonisierung der Politik, S. 111-119.

In der öffentlichen Debatte spielt das deutsche Kolonialreich meist nur eine Nebenrolle. Doch finden sich in deutschen Museen riesige Sammlungen an geraubten Kulturgütern der ehemaligen Kolonien. Klaus Lederer, stellvertretender Bürgermeister von Berlin, plädiert daher für eine dekoloniale Transformation der Gesellschaft und die umfassende Rückgabe von Kulturgütern an die vormals kolonisierten Länder. Dafür aber müssten die heutigen politischen Entscheidungsträger zunächst eines tun: die Verbrechen der deutschen Kolonialherrschaft ohne Wenn und Aber anerkennen.

(aus: »Blätter« 1/2019, Seite 47-47)

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