Ausgabe Mai 1990

Memorandum `90

Im deutschen Umbruch: Vorrang für den sozialen und ökologischen Umbau

Am 26. April 1990 legte die Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik („Memorandum-Gruppe") auf einer Pressekonferenz in Bonn das diesjährige Memorandum mit Alternativen zur Wirtschaftspolitik der Bundesrepublik vor. Die jährlichen Alternativ-Gutachten (Memoranden) der aus Wirtschaftswissenschaftlern und Gewerkschaftern bestehenden Gruppe erscheinen seit 1977 in den „Blättern", in der Regel im Mai- bzw. Juniheft und gegebenenfalls in der Kurzfassung. Nachstehend veröffentlichen wir den Wortlaut der Kurzfassung des Memorandums '90. Die Langfassung ist zusammen mit einem Sondermemorandum zur Währungsunion Ende April im Kölner PapyRossa Verlag erschienen. D. Red.

1. Deutsch-deutsche Unübersichtlichkeit: Mehr Risiken oder mehr Chancen?

Nie zuvor seit Ende der 40er Jahre waren die politischen, wirtschaftlichen und sozialen Perspektiven der Bundesrepublik so unübersichtlich wie im Frühjahr 1990. Alle Entwicklungsprognosen sind spekulativ; wirtschaftspolitische Orientierungen laufen Gefahr, wenige Stunden nach ihrer Präsentation gegenstandslos zu werden, weil ihre politische Geschäftsgrundlage entfallen ist. Die nur schwer zu kalkulierende deutsch-deutsche Entwicklung schlägt mit elementarer Wucht auf alle anderen Fragen durch und umgibt sie mit großen Risiken.

Mai 1990

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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