Ausgabe September 1990

Wozu heute noch von Sozialismus reden?

Vom „Sieg des Kapitalismus", „Tod des Sozialismus", vom „Ende der Geschichte" ist gegenwärtig viel die Rede. Und doch wird niemand ernsthaft behaupten wollen, wir lebten nun auf einmal in der besten aller Welten. Der Blick aus dem Fenster genügt, das Gegenteil zu lehren. Krisen, Katastrophen und Fehlentwicklungen summieren sich, die durch den Kollaps des „Realsozialismus" weder verschwunden, noch behoben sind. Das Projekt der Moderne, dem Kapitalismus und Sozialismus auf ihre Art verpflichtet sind, ist unvollendet. Die Konjunkturformel von der „Postmoderne" vermag darüber nicht hinwegzutrösten. So nützen weder Siegesfanfaren noch Trauergesänge. Die osteuropäische Krise mit den Defiziten der Ersten und der Dritten Welt zusammengenommen bietet jedoch die Chance - und gebietet den Mut -, einen unverstellten Blick auf die gesellschaftliche Wirklichkeit dieser Einen Welt zu werfen.

Mit den folgenden Beiträgen von Eckart Spoo (Hannover) und Lutz Marz (Berlin/DDR) beginnen wir eine Debatte über die anstehenden gesellschaftlich- politischen Neuvermessungen jenseits des „Systemgegensatzes". Angestoßen durch die Erfahrungen des Revolutionsjahres 1989 wollen wir an jene Debatte anknüpfen, die Ende 1988 mit den vielbeachteten Beiträgen von Peter Glotz und Juri Krassin begann („Die neuen Wirklichkeiten und die Linke").

September 1990

Sie haben etwa 47% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 53% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

Zur Ausgabe Probeabo