Ausgabe August 1991

Die jugoslawische Krise: Konfliktlinien und Perspektiven

I. Offene Sezession, Verselbständigung oder erster Schritt zur Auflösung Jugoslawiens?

„Die Republik Slowenien ist ein selbständiger Staat" - „Der Staat Kroatien ist geboren" - so lauteten die Schlagzeilen der slowenischen und kroatischen Presse am 26. Juni dieses Jahres. Am Vortag hatten die Parlamente der beiden Republiken in einer konzertierten Aktion feierliche Deklarationen über ihre Souveränität und Unabhängigkeit verabschiedet, die zwar in der Form sehr unterschiedlich waren, sich inhaltlich jedoch nahekamen. Folgende Punkte bilden den Kern dieser Dokumente:

1. Die jugoslawische Verfassung besitzt in den beiden Republiken keine Gültigkeit mehr.

2. Die Republiken übernehmen wieder alle Rechte und Pflichten, die sie einst an den Bundesstaat übertragen hatten.

3. Die Republikgrenzen werden zu Staatsgrenzen. Im Falle Sloweniens heißt das: Die Grenzen der ehemaligen SFRJ zu Österreich, Italien und Ungarn sind jetzt die slowenischen Staatsgrenzen zu diesen Ländern. Die Grenze zwischen Slowenien und Kroatien erhält den Rang einer zwischenstaatlichen Grenze. Für Kroatien gilt sinngemäß das gleiche: Die innerjugoslawischen Grenzen dieser Republik werden zu Staatsgrenzen erhoben, die international anerkannten Staatsgrenzen der SFRJ auf kroatischem Territorium werden zu kroatischen Grenzen.

4.

August 1991

Sie haben etwa 49% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 51% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

Zur Ausgabe Probeabo