Ausgabe Januar 1992

Wir und sie

Solidarität, aber was heißt das?

Ein paar Trendmeldungen aus dem Bereich der „Dritt-Welt"-Gruppen

Out, also ziemlich aus der Mode, sind Fan-Clubs von Revolutionen anderswo. Vorbei ist es auch mit dem Versuch, sich an angeblich glückende sozialistische Experimente andernorts psychologisch anzulehnen, vorbei ist es mit jener Abstraktheit von Solidarität, die sich vor allem auf die Programme unterstützter Parteien bezog, vorbei die Anmaßung, für die eigene Position die Logik und Wahrheit der „Geschichte" zu bemühen, die der eigenen Seite eines Tages recht geben sollte, vorbei auch die Begeisterung für's Martialische, für bewaffneten Kampf als solchen.

Noch nicht ganz out: das Bedürfnis nach klaren Freund-Feind-Bildern. Beispielsweise das Bedürfnis, zu bestimme, auf welcher Seite der „Hitler" denn nun auszumachen wäre: War es Bush oder Saddam Hussein? Auf welcher Seite die unschuldigen Opfer imperialistischer Aggression: Juden oder Palästinenser? Auch noch nicht ganz out ist das Bedürfnis, internationale Konflikte vulgärmaterialistisch zu deuten, wie etwa der beliebte und weit verbreitete Slogan im zweiten Golfkrieg „Kein Blut für Öl" belegt.

Januar 1992

Sie haben etwa 38% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 62% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

Zur Ausgabe Probeabo