Ausgabe Januar 1992

Wir und sie

Solidarität, aber was heißt das?

Ein paar Trendmeldungen aus dem Bereich der „Dritt-Welt"-Gruppen

Out, also ziemlich aus der Mode, sind Fan-Clubs von Revolutionen anderswo. Vorbei ist es auch mit dem Versuch, sich an angeblich glückende sozialistische Experimente andernorts psychologisch anzulehnen, vorbei ist es mit jener Abstraktheit von Solidarität, die sich vor allem auf die Programme unterstützter Parteien bezog, vorbei die Anmaßung, für die eigene Position die Logik und Wahrheit der „Geschichte" zu bemühen, die der eigenen Seite eines Tages recht geben sollte, vorbei auch die Begeisterung für's Martialische, für bewaffneten Kampf als solchen.

Noch nicht ganz out: das Bedürfnis nach klaren Freund-Feind-Bildern. Beispielsweise das Bedürfnis, zu bestimme, auf welcher Seite der „Hitler" denn nun auszumachen wäre: War es Bush oder Saddam Hussein? Auf welcher Seite die unschuldigen Opfer imperialistischer Aggression: Juden oder Palästinenser? Auch noch nicht ganz out ist das Bedürfnis, internationale Konflikte vulgärmaterialistisch zu deuten, wie etwa der beliebte und weit verbreitete Slogan im zweiten Golfkrieg „Kein Blut für Öl" belegt.

Januar 1992

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