Ausgabe Juli 1992

Entwicklungsagentur Staat. Industriepolitik und Wirtschaftskultur in Westeuropa

Der weltweite Niedergang des Marktliberalismus und der Aufstieg industrie- und strukturpolitischer Optionen verweisen auf den engen Zusammenhang, der zwischen der zukünftigen Funktion des Staates auf der einen und der Rolle der Weltregionen auf der anderen Seite besteht: Das Comeback des Staates beruht zuallererst auf der Anforderung, nationale/regionale Innovationsprozesse im Zusammenhang von Industriestrukturen und Weltmärkten vorausschauend zu organisieren (vgl. Hilpert 1991). Die Plätze in der "neuen Weltordnung" dürften auch und gerade unter dem Gesichtspunkt verteilt werden, inwieweit diese regulativen Fähigkeiten im Rahmen jeweiliger nationaler/regionaler Milieus entwickelt werden können. Für uns bedeutet dies, die Weltregion "Europa" (genauer: die EG) als Referenzrahmen für das Comeback des Staates zu verstehen.

1. Die Linke und der Staat

U n d d i e L i n k e? Sie hat in den 80er Jahren gleich in mehrerlei Hinsicht Abschied vom Staat genommen. Vor allem ein Werk von Fritz Scharpf machte in ihren Reihen Furore, mit dessen Hilfe die Hinwendung zum Marktliberalismus "modern-realistisch" begründet werden konnte (vgl. Scharpf 1987), Angesichts der globalisierten Finanzmärkte und der Inkompetenz supranationaler Ebenen sei Wirtschaftspolitik nur noch als finanz- und geldpolitische Anpassung an internationale Kapital- bzw. Zinsbewegungen machbar.

Juli 1992

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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