Die Beschlüsse des SPD-Vorstands in Bad Salzuflen zur Änderung des Rechts auf politisches Asyl sind Ausdruck einer tiefen Krise der SPD-Führung. Erstens: Die Zustimmung zur Grundgesetzänderung ist nichts anderes als eine Anpassung an öffentliche Stimmungen. Anstatt die offene gesellschaftliche Auseinandersetzung über die Probleme der Zuwanderung und ihrer humanen Regelung zu suchen, öffnet der Parteivorstand mit diesem „Tendenzbeschluß " dem zur Zeit wieder zu neuen Ehren gekommenen rechten Populismus Tür und Tor. Zweitens: Der Vorstand hat damit die in der innerparteilichen Diskussion in der kurzen Zeit seit den Petersberger Beschlüssen bereits eingebrachten Positionen (Landesparteitage, Bezirksvorstände, Bezirks- und Unterbezirksausschüsse etc.) mißachtet. Das Verständnis von innerparteilicher Demokratie, das in den Verlautbarungen seit Petersberg an den Tag gelegt wird, ist zu kritisieren. Auffällig ist vor allem, daß ungeachtet der Beschlüsse ihrer Basisgremien, insbesondere des Landesparteitags Hessen, der Landesvorstände Bayern und Berlin, der Bezirksvorstände Hannover und Westliches Westfalen Hans Eichel, Renate Schmidt, Peter Glotz, Walter Momper, Franz Müntefering, Ilse Brusis, Magdalena Hoff und Klaus Matthiesen der grundsätzlichen Änderung in der Asylpolitik zugestimmt haben.
In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.