Ausgabe Januar 1994

Müssen wir die Politik neu erfinden?

Trotz der epochalen Ereignisse des Jahres 1989 hat sich am deutschen Politikverständnis und am Parteiensystem wenig gewandelt: Die christdemokratisch-liberale Koalitionsregierung behielt ihre Mehrheit in den ersten gesamtdeutschen Wahlen. Die SPD blieb Oppositionsführerin. Das Bundestagsplenum wurde nur ergänzt durch die kleine Gruppe der Grünen/Bündnis '90 aus den neuen Bundesländern, während die westlichen Grünen, auch das sicher eine Einheitsfolge, den Zug, d.h. den Einzug verpaßten. Ganz neu ist nur die PDS, die zwar sicher noch länger in Landtagen der neuen Bundesländer bleiben, aber im nächsten Bundestag kaum vertreten sein wird. Ist also business as usual angesagt?

Von außen betrachtet sicherlich. Die internationalen Ängste gerade einer Frau Thatcher vor neuen deutschen Großmachtambitionen sind schnell verklungen. Das Chaos in Osteuropa läßt die innerdeutschen Probleme als geradezu lächerlich und luxuriös erscheinen. Die Deutschen, so sieht es vom Ausland her aus, krempeln die Ärmel auf, fleißig und effizient, wie sie nun einmal sind, bereiten sie einen zweiten Wiederaufbau vor, legen den Grundstein für ein zweites deutsches Wirtschaftswunder.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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