Ausgabe Dezember 1996

Philippe Séguin oder Perspektiven einer anderen Politik

Premierminister Philippe Séguin sein würde, der 1943 in Tunis geborene Bürgermeister des Städtchens Épinal in den Vogesen. Als langjähriger enger Vertrauter des neuen Staatschefs hatte er sich für dessen Wahlerfolg besonders engagiert.

Auch eines der Zentralthemen des Kandidaten Chirac – der Überwindung der „fracture sociale“ im Fall seiner Präsidentschaft oberste Priorität einzuräumen – klang aus dem Munde Séguins besonders glaubwürdig. Engagement und Kompetenz hatte er auf diesem Gebiet zu Zeiten der „ersten Kohabitation“ als Minister für Arbeit und Soziales im Kabinett Chirac von 1986-88 unter Beweis stellen können. Doch zunächst wurde Alain Juppé ins Amt des Premiers berufen, Séguin dagegen für einen zweiten Anlauf in Reserve gehalten und zum Präsidenten der Nationalversammlung gewählt, wo er sich sogleich an eine Parlamentsreform machte. Eineinhalb Jahre nach Amtsantritt werfen in diesen Novembertagen führende Zeitungen des Landes die Frage auf, ob die Zeit des Philippe Séguin nicht gekommen sei.

Dezember 1996

Sie haben etwa 41% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 59% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe März 2026

In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

Zur Ausgabe Probeabo