Ausgabe Februar 1996

Contre la déstruction d`une civilisation

Rede vor Streikenden im Gare de Lyon, Paris

Im Namen des „Appells von Intellektuellen zur Unterstützung der Streikenden“, zu dessen Initiatoren er gehört, richtete Pierre Bourdieu, der große Nonkonformist unter den französischen Soziologen, am 12. Dezember 1995 das Wort an eine Solidaritätsversammlung im Pariser Gare de Lyon. Rund 600 Eisenbahner, Postler und andere Streikende hatten sich im Saal des SNCF-Betriebsrats mit Vertretern des Intellektuellen-Appells getroffen. Den Text seiner Rede, den Bourdieu uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat, veröffentlichen wir nachstehend – in eigener Übersetzung – erstmals im vollen Wortlaut. –D.Red.

Ich bin hier, um all denen unsere Unterstützung zu übermitteln, die seit drei Wochen gegen die Zerstörung einer Zivilisation kämpfen – einer Zivilisation, die mit der Existenz des öffentlichen Dienstes verbunden ist: Jene der republikanischen Rechtsgleichheit, des Rechts auf Bildung, auf Gesundheit, auf Kultur, auf Forschung, auf Kunst und, vor allem anderen, auf Arbeit.

Ich bin hier, um zu sagen, daß wir diese tiefgehende Bewegung begreifen, d.h. die Verzweiflung und die Hoffnungen, die sich gleichzeitig in ihr ausdrücken und die auch uns erfüllen; um zu sagen, daß wir nicht (oder nur zu gut) jene verstehen, die nicht verstehen – Leute wie jenen Philosophen, der am 10.

Februar 1996

Sie haben etwa 48% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 52% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Oktober 2020

In der Oktober-Ausgabe zeigt der Anthropologe Wade Davis, wie die Corona-Pandemie die gesellschaftlichen Widersprüche der USA offenlegt und ihren Niedergang als Weltmacht beschleunigt. Der Historiker Bernd Greiner porträtiert den einstigen US-Chefstrategen Henry Kissinger und dessen skrupellosen Willen zur Macht. Der Schriftsteller Zafer Şenocak fordert, dass die deutsche Außenpolitik endlich Verantwortung für die kolonialen Verbrechen übernimmt. Die Schriftstellerin Dina Nayeri beschreibt, wie ihre Fluchterfahrung ihre Identität bis heute zutiefst prägt. Und »Blätter«-Mitherausgeber Rudolf Hickel plädiert für soziale Gerechtigkeit bei der Begleichung der gewaltigen Corona-Schulden.

Zur Ausgabe Probeabo