Ausgabe April 1997

Wer bestimmt die US-Außenpolitik?

Madeleine Albrights Weltreise war ein persönlicher Erfolg. Die "New York Times" titelte: "Sie stolziert über die Weltbühne - mit der Ausstrahlung eines Stars". Auf der anderen Seite illustrierte ihre Antrittsreise unglücklicherweise auch das Problem der heutigen US-Außenpolitik. Diese steht nicht länger wirklich unter der Kontrolle der Stars oder überhaupt der Exekutive. Die Liste der Streitpunkte, die während ihrer Reise auf den Tisch kamen, reicht vom Widerstand Rußlands gegen die NATO-Erweiterung über europäische Resistenz gegenüber Amerikas Bemühungen, andere Länder zur Teilnahme am Kuba-Boykott zu nötigen, deutschen Ärger über absurde und unverschämte amerikanische Vorwürfe in puncto Umgang mit Scientology, französische Feindseligkeit wegen der Unwilligkeit der USA, NATO-Kommando-Posten europäischen Offizieren zu überlassen bis zu den üblichen Streitereien mit Japan über freien Marktzugang. Jedes einzelne dieser Probleme hat seinen Ursprung in Washington (mit Ausnahme der Scientology-Geschichte, die aus Hollywood stammt). Keines wäre wirklich nötig. Man kann zwar sagen, daß der Streit um die Menschenrechte in China von der Art herrührt, wie die chinesische Regierung ihr Volk behandelt, und die Handelsdifferenzen mit Japan daher, wie Japan seine Binnenwirtschaft reguliert.

April 1997

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