Am 2. Februar zog Hugo Chávez Frías in den Palacio de Miraflores ein. Der rasante Aufstieg des heute 44jährigen begann ziemlich genau sieben Jahre zuvor. Anfang Februar 1992 versuchte er den damaligen venezolanischen Präsidenten Carlos Andrés Pérez, der in den 70er Jahren Verbindungen zur Sozialistischen Internationale hatte, zu stürzen. „El Comandante“, wie ihn viele Venezolaner nicht ohne Sympathie nennen, erwies sich als Anführer einer Gruppe von nationalistischen Offizieren, die, weil sie sich in ihrem politischen Programm auf die Ideen des 1830 verstorbenen Befreiungshelden Simón Bolívar berufen, auch Bolivarianer genannt werden. In der Hauptstadt Caracas scheiterte ihr Putschversuch. Doch bevor Chávez für zwei Jahre in einem relativ komfortablen Militärgefängnis verschwand, rief er in einem ebenso kurzen wie historischen Fernsehauftritt seine Waffenbrüder im Lande dazu auf, die Gewehre niederzulegen. In der Uniform der Fallschirmspringer mit roter Mütze, die mittlerweile zum Symbol der Chavisten avancierte, übernahm er die Verantwortung für den blutigen Vorfall und erklärte, daß sie lediglich por ahora, d.h. „fürs erste“ gescheitert seien.
In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.