Ausgabe Januar 2000

Holzmann zum Beispiel: Autoritäre Tendenzen der Neuen Mitte

 

Was ein Regierungschef doch alles bewirken kann! Da rettet der Kanzler den Beschäftigten der Holzmann AG „ihren“ Konzern. Und Mitgliedern wie Delegierten seiner Partei ein Stück sozialdemokratischer Identität. Die einen danken es mit „Gerhard, Gerhard“-Rufen, die anderen mit einem „Traumergebnis“ bei der Wiederwahl zum Parteivorsitzenden. Ein, wie es so schön heißt, Vertrauensbeweis. So einfach geht das also mit der Wiederentdeckung der Politik. Wirklich? Oder will es nur jetzt – es weihnachtet sehr – keiner mehr so genau wissen, was da wie gerettet wird und was übern Deich geht? (So wie es bei der Holzmann AG offenbar lange Zeit einige Leute nicht so genau wissen oder nehmen wollten.) Wenn das Schule macht, dann lohnt es sich, mal ein bißchen genauer hinzusehen. – Richard Herzinger stellt eine Erfolgsmethode in ihren politischen Zusammenhang: vom „Bündnis für Arbeit“ bis zu hin zu den Hurra-Pragmatisten der nachwachsenden SPDGeneration. Hermannus Pfeiffer und Werner Rügemer schildern ökonomische (und soziale) Strukturprobleme, die der Schröder-Coup vernebelt. – D. Red.

Da war Gerhard Schröder endlich wieder in seinem Element: Als Retter in letzter Minute, der den von Arbeitslosigkeit bedrohten Holzmann-Arbeitern persönlich zu Hilfe eilte, schlug er zwei Fliegen mit einer Klappe.

Sie haben etwa 9% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 91% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe März 2026

In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

Zur Ausgabe Probeabo