Ausgabe Januar 2000

Holzmann zum Beispiel: Sanierung ohne ökonomische Vernunft

Populismus und Hilflosigkeit sind zwei Seiten der selben Medaille. Die spektakuläre „Rettung“ des konkursbedrohten Holzmann-Konzerns durch Bundeskanzler Gerhard Schröder erweist sich als problematisch. Milliardenkredite der Banken sichern das Überleben für einige Monate, sind aber betriebs- wie volkswirtschaftlich und auf lange Sicht ebenso von zweifelhaftem Wert wie die von Schröder zugesagten staatlichen Kredite und Bürgschaften über 250 Mio. DM. Die Motive für diese Vorgehensweise liegen offen zutage. Der Bundeskanzler braucht endlich Erfolge im versprochenen Kampf gegen die Arbeitslosigkeit, und die Banken wollen nicht als Arbeitsplatzvernichter dastehen. Die jetzt 17000 Holzmann-Beschäftigten, so heißt es in der „Rahmenvereinbarung“ zwischen Betriebsrat und Vorstand, verzichten in den nächsten zwei Jahren auf 16% ihres Lohnes. Das summiert sich auf 245 Mio. Mark. Nach anfänglicher Kritik stimmte die Industriegewerkschaft Bau zu, wobei man sich mit Formulierungstricks behalf: Eine Rahmenvereinbarung sei weder eine Betriebsvereinbarung noch ein Haustarif. Aber unterm Strich legitimiert die IG Bau damit einen Bruch der bisherigen Tarifsystematik. Das führt zu einer weiteren Schwächung der Gewerkschaften und der rechtlichen wie finanziellen Stellung der Beschäftigten, die bei angedrohten Konkursen zur Verfügungsmasse werden. Andere Bauunternehmen verlangen inzwischen ebenfalls solche Zugeständnisse.

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Aktuelle Ausgabe März 2026

In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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