Populismus und Hilflosigkeit sind zwei Seiten der selben Medaille. Die spektakuläre „Rettung“ des konkursbedrohten Holzmann-Konzerns durch Bundeskanzler Gerhard Schröder erweist sich als problematisch. Milliardenkredite der Banken sichern das Überleben für einige Monate, sind aber betriebs- wie volkswirtschaftlich und auf lange Sicht ebenso von zweifelhaftem Wert wie die von Schröder zugesagten staatlichen Kredite und Bürgschaften über 250 Mio. DM. Die Motive für diese Vorgehensweise liegen offen zutage. Der Bundeskanzler braucht endlich Erfolge im versprochenen Kampf gegen die Arbeitslosigkeit, und die Banken wollen nicht als Arbeitsplatzvernichter dastehen. Die jetzt 17000 Holzmann-Beschäftigten, so heißt es in der „Rahmenvereinbarung“ zwischen Betriebsrat und Vorstand, verzichten in den nächsten zwei Jahren auf 16% ihres Lohnes. Das summiert sich auf 245 Mio. Mark. Nach anfänglicher Kritik stimmte die Industriegewerkschaft Bau zu, wobei man sich mit Formulierungstricks behalf: Eine Rahmenvereinbarung sei weder eine Betriebsvereinbarung noch ein Haustarif. Aber unterm Strich legitimiert die IG Bau damit einen Bruch der bisherigen Tarifsystematik. Das führt zu einer weiteren Schwächung der Gewerkschaften und der rechtlichen wie finanziellen Stellung der Beschäftigten, die bei angedrohten Konkursen zur Verfügungsmasse werden. Andere Bauunternehmen verlangen inzwischen ebenfalls solche Zugeständnisse.
In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.