Ausgabe Januar 2000

Nordirland wagt den Sprung

Es herrscht eine ganz normale vorweihnachtliche Einkaufsstimmung in der City von Belfast an diesem Wochenende nach dem 1.Dezember 1999, wie in vielen anderen Metropolen auch – etwas entspannter vielleicht. Von einer Euphorie, die der interessierte Outsider angesichts der politischen Ereignisse dieser Woche und ihrer Medienresonanz vermuten würde, ist auf den Straßen jedoch wenig zu spüren. Die sonst so nüchterne „Irish Times“ misst dem Datum zwar eine ähnliche Bedeutung wie der Gründung der Irischen Republik 1921 bei1 und die „International Herald Tribune“ feiert auf ihrer Titelseite den Tag, an dem Nordirland endlich sein Schicksal in die eigenen Hände nimmt.2 Die Menschen in Nordirland selbst sind vorsichtig geworden in der Wahrnehmung „historischer“ Momente. Es ist in der Tat der „zweite Advent“, die verspätete Ankunft des Good Friday Agreements, die diese Ambivalenz politischer Stimmungen erklärt; der lange Weg des Friedensabkommens vom April 1998, das den 30-jährigen Bürgerkrieg in Nordirland beendet hat, dem die nordirische und irische Bevölkerung im darauffolgenden Juni in Referenden eine große Rückendeckung gab, und das zu Recht zunehmende internationale Beachtung als Modell postnationaler Konfliktregulierung findet.

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Aktuelle Ausgabe Januar 2020

In der Januar-Ausgabe warnt der Journalist Alexander Hurst vor einem drohenden Bürgerkrieg in den USA, sollte Donald Trump eine Abwahl in einem Jahr nicht akzeptieren. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die Hindu-Nationalisten die innere Vielfalt Indiens bekämpfen und selbst vor kriegerischen Mitteln nicht halt machen. »Blätter«-Redakteurin Julia Schweers beleuchtet den Generationenkonflikt, der in Afrika zu einer dritten kontinentalen Protestwelle führen könnte. Der Soziologe Mathias Greffrath fordert die Abkehr vom Mantra des ständigen Wachstums, um dem »Zeitalter der Verwüstung« ein Ende zu setzen. Und »Blätter«-Mitherausgeber Micha Brumlik analysiert die antisemitische Kontinuität von der DDR bis ins heutige Ostdeutschland.

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