Es wird bitterernst mit der Frage "Quo vadis Europa?". Tatsächlich verstärkt sich der Eindruck, daß der Einigungsprozeß, wie er zwischen Brüsseler Bürokratismus und medienwirksam inszenierten Gipfelkonferenzen abläuft, den Bevölkerungen nicht mehr vermittelbar ist. 1) Das Geschehen scheint sich immer mehr zu verselbständigen, ohne einem klaren, in sich stimmigen Konzept zu folgen, das überzeugend, vielleicht sogar mitreißend wirkt, weil es den Menschen eine hoffnungsvolle Perspektive eröffnet. Der Einwand der "Realisten" liegt auf der Hand: Mittlerweile hätten sich so viele, höchst komplizierte Probleme angehäuft, daß nur die Methode der kleinen Schritte weiterhelfe, das geduldige Bohren dicker Bretter, wie es entschuldigend heißt. Allerdings kann es passieren, daß dabei die Orientierung verloren geht, Stückwerk ohne Sinn entsteht. Niemand findet sich darin wieder. Gleichgültigkeit oder Anfälligkeit für Rechtspopulismus sind die Folgen, nicht Integration, sondern Desintegration. Jetzt rächt sich, daß das Jahrzehnt seit dem Ende des Kalten Krieges regelrecht vertan wurde.
Das taktische Arsenal der AfD ist um eine feine Variante reicher«, jubilierte am 5. Februar 2020 AfD-Vordenker Götz Kubitschek, nachdem kurz zuvor der Thüringer Landtag im dritten Wahlgang »versehentlich« FDP-Landeschef Thomas Kemmerich zum neuen Ministerpräsidenten gewählt hatte.