2.3. - G r o ß b r i t a n n i e n. Innenminister Straw verfügt die Freilassung des seit fast 17 Monaten in Großbritannien festgehaltenen ehemaligen Präsidenten General Pinochet, der noch am gleichen Tage an Bord einer chilenischen Militärmaschine nach Santiago de Chile zurückkehrt (vgl. "Blätter", 12/1998, S. 1414 und 4/2000, S. 389). Vor dem Unterhaus verteidigt Strow seine umstrittene Entscheidung: Nach dem Urteil von Medizinern könne Pinochet nirgendwo ein fairer Prozeß gemacht werden. Mit der bisherigen Behandlung des Falles durch die britische Justiz sei jedoch das Prinzip etabliert worden, daß sich nirgendwo sicher fühlen könne, wer Menschenrechtsverletzungen begangen habe. - C h i l e. Nach der Rückkehr von General Pinochet aus britischem Hausarrest kommt es in Santiago zu Demonstrationen von Anhängern und Gegnern des früheren Präsidenten. In Stellungnahmen von Außenminister Valdes und Innenminister Troncoso heißt es, der Fall liege nun in den Händen der Gerichte, bei denen zahlreiche Strafanzeigen gegen Pinochet vorliegen. - Am 25.3. verabschiedet das Parlament in Valparaiso mit 111 gegen 29 Stimmen bei drei Enthaltungen eine umstrittene Verfassungsnorm, die allen ehemaligen Staatschefs einen Sonderstatus einräumt.
In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.