Ausgabe Februar 2001

Nationaler politischer Wandel in einer sich denationalisierenden Welt

Die gegenwärtigen Prozesse der Globalisierung bzw. Denationalisierung haben politische Folgen auf mehreren Ebenen. Einerseits bilden sich neue Kanäle politischer Repräsentation und damit neue politische Einflussmöglichkeiten auf supranationaler oder transnationaler Ebene, andererseits werden die Möglichkeiten der traditionellen nationalen Politik eingeschränkt. Nationalstaatliche Politik, so ist häufig zu hören, verliert an Bedeutung und wird „von oben“ – von der supranationalen Ebene –, wie „von unten“ – von der lokalen bzw. regionalen Ebene –, bedrängt. Ich gehe im folgenden davon aus, dass nationale Politik noch für einige Zeit von zentraler Bedeutung sein wird. Meine These ist, dass die nationale politische Auseinandersetzung im Zuge der Prozesse der wirtschaftlichen, kulturellen, militärischen und politisch-administrativen Denationalisierung ihre Bedeutung nicht so schnell verlieren wird, dass sie aber als Folge der Denationalisierung selbst einer grundlegenden Umstrukturierung unterliegt. Ich konzentriere mich auf die Situation Westeuropas, wo Denationalisierung in erster Linie europäische Integration bedeutet; das hier angesprochene Phänomen scheint mir aber allgemeiner und nicht auf Europäisierung und europäische Integration beschränkt zu sein.1

Globalisierung bzw.

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Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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