Ausgabe November 2003

Osttimors Wahrheitskommission

Wie kann das erste „neue“ Land des Milleniums, Osttimor, nach jahrhundertelanger portugiesischer Kolonialherrschaft und jahrzehntelanger indonesischer Okkupation, der fast ein Drittel der Bevölkerung zum Opfer fiel, zu Frieden, Demokratie und nachhaltiger Entwicklung finden? Osttimor erhielt am 20. Mai 2002 nach zweieinhalbjähriger Verwaltung durch die Vereinten Nationen (UN) seine Unabhängigkeit. Deren Preis war hoch: Kaum ein Bewohner der Terra de Sol Nascente ist ohne Trauma, ohne Opfer in der eigenen Familie. Allein nach dem Unabhängigkeitsvotum töteten im Black September 1999 indonesische Militärs und ihre osttimoresischen Milizen mehr als tausend Menschen und vernichteten 80 % der Infrastruktur. Das ärmste Land Asiens versucht auf verschiedene Weise dieses erdrückende Erbe zu bewältigen.

Auf drei voneinander unabhängigen Pfeilern beruht die Aufarbeitung der Menschenrechtsverbrechen: Ad-Hoc Prozessen in Indonesien, Special Panels for Serious Crimes und der ersten asiatischen Wahrheitskommission, der Comissão de Alcolhimento, Verdade e Reconciliação (CAVR)in Osttimor. Die strafrechtliche Aufarbeitung beschränkt sich bei beiden Tribunalen auf das Jahr 1999. Lediglich die CAVR besitzt ein Mandat für den gesamten Zeitraum des politischen Konflikts – vom Tag der portugiesischen Nelkenrevolution (25.

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Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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