Ausgabe August 2004

Promi-Promo

Die Geschichte von dem Bauern oder Handwerker, der plötzlich für kurze Zeit zum König oder Millionär wird, haben viele alte Fabeln oder neue Filme immer wieder erzählt. Der in die "höheren Kreise" versetzte Protagonist erlebt dort Korruption und Bigotterie, gerät in ausweglose Situationen, aus denen er nur mit Hilfe eines "guten" Fürsten oder Kapitalisten herauskommt, und zieht sich dann wieder in sein Milieu zurück mit der Erkenntnis, dass Geld nicht glücklich macht, dass Bescheidenheit eine Zier und das Sich-Abfinden mit den Standesgrenzen die wahre Lebenserfüllung ist. Umgekehrt machte es Harun al Raschid, der legendäre Kalif, wenn er sich inkognito unters Volk mischte und feststellen musste, dass die niedrigen Leute besser waren als ihr Ruf. So sehr sie das Lied des kleinen Mannes sangen - solche Märchen hatten selten die Verbesserung der Lage der armen Leute im Sinn, eher die Legitimation der Klassengesellschaft.

Das Thema ist, in abgewandelter Form, jetzt Gegenstand eines neuen Trends im Fernsehen. Eine rapide gesellschaftliche Desintegration und der Zerfall der "sozialen Netze" haben sich anscheinend bereits in neuen Formen der Spiel- und Dokumentar- Serie niedergeschlagen, die jetzt nicht mehr die familiäre und gesellschaftliche Harmonie feiern, sondern die Handlungen ihrer Figuren aus Neidgefühlen und Konkurrenzdenken ableiten, die damit als zunehmend normal erscheinen.

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Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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