Ausgabe August 2004

Promi-Promo

Die Geschichte von dem Bauern oder Handwerker, der plötzlich für kurze Zeit zum König oder Millionär wird, haben viele alte Fabeln oder neue Filme immer wieder erzählt. Der in die "höheren Kreise" versetzte Protagonist erlebt dort Korruption und Bigotterie, gerät in ausweglose Situationen, aus denen er nur mit Hilfe eines "guten" Fürsten oder Kapitalisten herauskommt, und zieht sich dann wieder in sein Milieu zurück mit der Erkenntnis, dass Geld nicht glücklich macht, dass Bescheidenheit eine Zier und das Sich-Abfinden mit den Standesgrenzen die wahre Lebenserfüllung ist. Umgekehrt machte es Harun al Raschid, der legendäre Kalif, wenn er sich inkognito unters Volk mischte und feststellen musste, dass die niedrigen Leute besser waren als ihr Ruf. So sehr sie das Lied des kleinen Mannes sangen - solche Märchen hatten selten die Verbesserung der Lage der armen Leute im Sinn, eher die Legitimation der Klassengesellschaft.

Das Thema ist, in abgewandelter Form, jetzt Gegenstand eines neuen Trends im Fernsehen. Eine rapide gesellschaftliche Desintegration und der Zerfall der "sozialen Netze" haben sich anscheinend bereits in neuen Formen der Spiel- und Dokumentar- Serie niedergeschlagen, die jetzt nicht mehr die familiäre und gesellschaftliche Harmonie feiern, sondern die Handlungen ihrer Figuren aus Neidgefühlen und Konkurrenzdenken ableiten, die damit als zunehmend normal erscheinen.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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