Ausgabe Juli 2004

Schultze büxt aus

Schultze Gets the Blues - so recht weiß man bei dem Erstlingsfilm von Michael Schorr nicht, was denn genau Schultze da "kriegt", eine Musikerkarriere jedenfalls nicht, auch wenn der Titel und der erste Teil der Handlung es nahe legen. Schultze ist Bergmann und wird wegen Stilllegung der Kali-Förderung in Sachsen- Anhalt vorzeitig in den Ruhestand geschickt, was für ihn und seine Kollegen erst mal den Verlust ihres Lebensrhythmus bedeutet. Schultze ist alleinstehend, seine Mutter im Altersheim erkennt ihn schon nicht mehr und so bleiben lediglich Kneipe, Schrebergarten und der Volksmusikverein als Angelpunkte eines Lebens, das nur noch Warten auf den Tod zu bedeuten scheint.

Da erwacht in Schultze eine unbestimmte, neue Sehnsucht, die er zunächst für eine Krankheit hält: Im Radio stößt er zufällig auf ein Musikstück aus ferner Folklore, Cajun-Musik, und gleich versucht er, sie mit seinem Akkordeon nachzuspielen. Je mehr ihm das gelingt, umso weniger stößt er damit auf Verständnis bei seinen Vereinskollegen. Aber da wissen wir Zuschauer schon, worauf es hinauslaufen wird. Denn die sächsische Musikgruppe hat eine Einladung aus "Amerika" erhalten, einen Vertreter auf ein texanisches Folk-Festival zu schicken. Seine Kameraden nominieren ihn, und schon landet er mit seinem Akkordeon in Texas, wo das Schicksal seinen Lauf nehmen soll: Hier wird man ihn anerkennen, und vielleicht bringt Schultze bei der Rückkehr seine erste Single mit.

Sie haben etwa 31% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 69% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Januar 2026

In der Januar-Ausgabe skizziert der Journalist David Brooks, wie die so dringend nötige Massenbewegung gegen den Trumpismus entstehen könnte. Der Politikwissenschaftler Philipp Lepenies erörtert, ob die Demokratie in den USA in ihrem 250. Jubiläumsjahr noch gesichert ist – und wie sie in Deutschland geschützt werden kann. Der Politikwissenschaftler Sven Altenburger beleuchtet die aktuelle Debatte um die Wehrpflicht – und deren bürgerlich-demokratische Grundlagen. Der Sinologe Lucas Brang analysiert Pekings neue Friedensdiplomatie und erörtert, welche Antwort Europa darauf finden sollte. Die Journalistinnen Susanne Götze und Annika Joeres erläutern, warum die Abhängigkeit von Öl und Gas Europas Sicherheit gefährdet und wie wir ihr entkommen. Der Medienwissenschaftler Roberto Simanowski erklärt, wie wir im Umgang mit Künstlicher Intelligenz unsere Fähigkeit zum kritischen Denken bewahren können. Und die Soziologin Judith Kohlenberger plädiert für eine »Politik der Empathie« – als ein Schlüssel zur Bekämpfung autoritärer, illiberaler Tendenzen in unserer Gesellschaft.

Zur Ausgabe Probeabo