Ausgabe Juni 2004

Verkehrswende am Ende?

Die Verkehrspolitik gehört sicher zu den weniger strittigen Themen im bündnisgrünen Kanon. Und doch sorgen Programmrevisionen auch hier gelegentlich für Aufsehen. Vor vier Jahren gab es einen publizitätsträchtigen Schwenk in Richtung Wasserstoffauto, der aber – parallel zur Entzauberung dieser Technologie – anschließend schnell wieder in den hinteren Schubladen der Zukunftsforschung verschwand. 1 Nun wurde im April demonstrativ der programmatische Abschied vom grünen Ziel der "Verkehrswende" verkündet2 und mit einer Mischung aus realistischer Bestandsaufnahme und strategischer Hoffnungslosigkeit begründet: Weil die große Verkehrswende ausgeblieben sei und Verkehrsvermeidung wie -verlagerung sich nicht verordnen ließen, müsse fortan auf "Multimodalität" und "Multimobilität" gesetzt werden. Zu diesem Zweck werden verstärkte Aktivitäten in Richtung höherer Energieeffizienz (Verbrauchsminderung, alternative Kraftstoffe) sowie ein Wettbewerb "Modellregion nachhaltiger Mobilität" propagiert.

Dieser Strategiewechsel wirft drei zentrale Fragen auf. Erstens: Ist die Verkehrswende tatsächlich gescheitert? Zweitens: Gibt dies Anlass zu einer programmatischen Generalüberholung? Und drittens: Kann das als Alternative gebotene Programm tatsächlich überzeugen?

Zur ersten Frage: In der Tat erwies sich der Verkehrsbereich, im Gegensatz etwa zum Energie- oder Agrarsektor, während der letzten Jahre als weitgehend veränderungsresistent.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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