Ausgabe Juli 2005

Realitätsverlust im Pentagon

Washingtons sicherheitspolitisches Establishment wirkt gegenwärtig beunruhigend realitätsfremd, abgehoben von der wirklichen Lage im Mittleren Osten und Zentralasien, aber auch andernorts bestehenden Gefahren. Amerikas Bodentruppen sind fast komplett mit den genannten Kriegsschauplätzen beschäftigt. Die Army, ihre Reserveverbände und die Marineinfanterie werden über die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit hinaus strapaziert, und ihre Moral sinkt. Die Freiwilligenarmee findet nicht die Rekruten, die sie braucht. Eine Wiedereinführung der Wehrpflicht erscheint politisch undenkbar, und doch könnte sie sich schließlich als die einzige Alternative zum militärischen Fiasko erweisen. In einer solchen Situation zerbricht sich das Pentagon – außerstande, die erforderlichen Mengen an Panzerung für seine Truppen und Fahrzeuge zu beschaffen – den Kopf über neue Atomwaffen und Weltraumkriege. Es möchte riesige Summen zusätzlich für Projekte ausgeben, die für die gegenwärtigen Realitäten völlig irrelevant sind. Pentagon und Energiebehörde verlangen neue, "praktikablere" Atomwaffen, darunter tief in die Erde eindringende "Bunkerknacker". Ob die Entwicklung neuer Atomwaffen wirklich nötig ist, lässt sich entschieden bezweifeln. Die politischen Kosten wären jedenfalls enorm.

Sie haben etwa 19% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 81% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe März 2026

In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

Zur Ausgabe Probeabo