Ausgabe Juli 2005

Realitätsverlust im Pentagon

Washingtons sicherheitspolitisches Establishment wirkt gegenwärtig beunruhigend realitätsfremd, abgehoben von der wirklichen Lage im Mittleren Osten und Zentralasien, aber auch andernorts bestehenden Gefahren. Amerikas Bodentruppen sind fast komplett mit den genannten Kriegsschauplätzen beschäftigt. Die Army, ihre Reserveverbände und die Marineinfanterie werden über die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit hinaus strapaziert, und ihre Moral sinkt. Die Freiwilligenarmee findet nicht die Rekruten, die sie braucht. Eine Wiedereinführung der Wehrpflicht erscheint politisch undenkbar, und doch könnte sie sich schließlich als die einzige Alternative zum militärischen Fiasko erweisen. In einer solchen Situation zerbricht sich das Pentagon – außerstande, die erforderlichen Mengen an Panzerung für seine Truppen und Fahrzeuge zu beschaffen – den Kopf über neue Atomwaffen und Weltraumkriege. Es möchte riesige Summen zusätzlich für Projekte ausgeben, die für die gegenwärtigen Realitäten völlig irrelevant sind. Pentagon und Energiebehörde verlangen neue, "praktikablere" Atomwaffen, darunter tief in die Erde eindringende "Bunkerknacker". Ob die Entwicklung neuer Atomwaffen wirklich nötig ist, lässt sich entschieden bezweifeln. Die politischen Kosten wären jedenfalls enorm.

Sie haben etwa 19% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 81% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

Zur Ausgabe Probeabo