Ausgabe Oktober 2005

Die Türkei vor Europa (II)

Frei nach Brecht

Am 3. Oktober beginnen die offiziellen Beitrittsverhandlungen der Europäischen Union mit der Türkei. Allerdings wird der Beschluss vom Dezember 2004, mit dem Land am Bosporus über die Aufnahme zu verhandeln, in der europäischen Öffentlichkeit kontrovers diskutiert.

Am 3. Oktober beginnen die offiziellen Beitrittsverhandlungen der Europäischen Union mit der Türkei. Allerdings wird der Beschluss vom Dezember 2004, mit dem Land am Bosporus über die Aufnahme zu verhandeln, in der europäischen Öffentlichkeit kontrovers diskutiert. Im Mittelpunkt des Streits stehen unterschiedliche Bewertungen der menschenrechtlichen, demokratischen und wirtschaftlichen Lage des Landes, aber auch Fragen der Identität und Finalität der Europäischen Union.

Nach der Ablehnung der EU-Verfassung in den Volksabstimmungen in Frankreich und den Niederlanden sowie dem Scheitern des Finanzhaushalts scheint die Zukunft der politischen Union derzeit ernsthaft in Frage gestellt. Gilt weiterhin das alte Credo der „Vertiefung und Erweiterung“ oder stehen sich diese beiden Ziele nunmehr konträr gegenüber (vgl. hierzu auch Georg Vobruba, Die Dynamik Europas und der zwanglose Zwang der Türkei-Integration, in: „Blätter“, 7/2005, S.

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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